Keine Abkürzung
Es gibt keine Abkürzung zu seinem eigenen Leben.
Es gibt keine Abkürzung zu seinem eigenen Leben.
Manche vergleichen sportlichen Wettbewerb mit Krieg. Das ist ein grober Denkfehler. In jedem Sport lässt sich alles ganz leicht wieder zurücksetzen. Im Leben und im Krieg lassen sich die Folgen unserer Taten nicht rückgängig machen – wir werden von ihnen in die Zukunft getragen wie von einem unaufhaltsamen Zug.
Josh Safdie hat etwas verstanden, was eigentlich auf der Hand liegt, aber doch viele Geschichtenerzählende zu übersehen scheinen: Der Charakter eines Charakters liegt nicht nur in seinem Charakter, sondern genauso in seiner Umgebung. Klingt paradox? Ist es aber nicht. Ja, Marty Mauser ist ein waschechter Egoist, ja, er hält sich für den besten Tischtennisspieler der Welt und ja, er ist verdammt ungeduldig. Aber die Menschen im New York der 50er sind es auch. Sein Onkel, der Marty ohne Rücksicht zum Geschäftsführer seines Schuhladens machen will. Seine Freundin, Nicht-Freundin, die abgesehen davon, dass sich Marty ihr gegenüber die meiste Zeit wie ein beschissener Freund verhält, auch eine Ungeduld auf Marty überträgt.
Die Sprache des Kinos ist eher das Zeigen als das Sprechen. Und es ist ein Statement von Wim Wenders und der Jury der Berlinale, die wegen ihrer Unpolitikalität kritisiert wurden, dass der Goldene Bär und der Preis für den besten Debütfilm an Filme gingen, die die Ungerechtigkeit der Unterdrückung auf so kunstvolle, detaillierte und humanistische Weise zeigen. Während sich „Yellow Letters“ von Ilker Çatak auf die privilegierte Welt konzentriert, zeigt „Chronicles from the Siege“ von Abdallah Al-Khatib die rohe Brutalität des Überlebens in Palästina.
Im neuen Film von Ilker Catak geht es um ein erfolgreiches Künstlerpaar in der Türkei. Aziz schreibt Theaterstücke und ist Professor. Derya ist Schauspielerin am Nationaltheater in Ankara und ist oft die Hauptdarstellerin in seinen Stücken. Den Film „Gelbe Briefe“ zeichnet aus, dass er sich über viele Seiten seinem Thema nähert, über kleine Handlungen, über Dialoge oder mal über deutliche Statements geschickt eingewoben durch die Berufe der beiden Hauptfiguren, Schreiben und Sprechen. So verweigert Derya in der Eingangsszene als erste kleine Handlung einem hohen Staatsmann nach der Premiere eines politischen Theaterstücks das gemeinsame Foto. Das Thema nimmt an Fahrt auf, als die beiden Gelbe Briefe von der Universität und dem Theater bekommen mit der ironischen Nachricht: „Wir akzeptieren ihre Kündigung“.
Schauspielhaus Bochum. Premiere eines portugiesischen Stücks. Letzter Akt. Ein Schauspieler spricht den Monolog eines faschistischen Diktators. Es gibt Buhrufe. Zuschauer betreten die Bühne, werden handgreiflich. Seine Schauspielkollegen müssen eingreifen.
Wenn der gemeinsame Wille da ist, dann wird sich ein Weg finden und wenn der gemeinsame Wille nicht da ist, dann will ich auch nicht, dass sich ein Weg findet.
Wenn ich die Frage nicht über die Lippen bringe, dann bin ich gerade nicht bereit. Wenn du die Antwort nicht über die Lippen bringst, dann bist du gerade nicht bereit. Dieses „Nicht bereit sein“ muss sich zeigen dürfen und verdient vielleicht die wohlwollendste Aufmerksamkeit, denn wer will in einer Welt leben, in der ständig alle für alles bereit sein müssen?
Hoffen lernen bedeutet, zu lernen, vom Glück auszugehen, jederzeit. Das Glück muss gar nicht hinter jeder nächsten Ecke stecken, aber es sich vorzustellen und dies zu genießen, ist, was hoffen sein kann.
Ich finde, Park Chan-wook schafft es wie kein zweiter, in jeder Szene Konstellationen aus Figuren, Umgebung, Sound und Licht zu schaffen, Konstellationen aus diesen unterschiedlichen Elementen, welche alle jeweils ihre eigene Absicht und Bedeutung mitbringen, welche sich mit diesen Bedeutungen verschränken und die dadurch der Haupthandlung eine dicke und lebendige Haut geben. Ich bin mir sicher, dass dieser gestraffte Körper da ist, selbst dann, wenn ich in manchen Momenten nicht den Körper als ganzen fassen kann, sondern nur die Hand oder das Bein sehe.
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