denken

Gruppen ohne Geld

Wir brauchen Geld, weil wir in einer Welt von zweien leben. Eigentlich leben wir allein in der eigenen Welt, aber weil das nur spezielle Überlebenskünstler:innen können, gehen wir auf andere zu und tauschen. Geld ist die Perfektion des Tauschens. Komplexe Gebilde, die nicht viel Zeit haben, brauchen diese versklavende, Ungleichheit schaffende Perfektion. Würden wir in einer Welt von Gruppen leben, dann bräuchten wir Geld nicht. Wir würden nicht tauschen, sondern darauf achten, dass für alle weder zu viel noch zu wenig in der Gruppe ist.

Gruppen ohne Geld2026-03-15T16:11:11+01:00

Schicksal und Verantwortung

Schicksal, die vorgeburtliche Berufung. Diese Vorstellung übersieht, dass ich nur solchen Rufen folgen kann, denen ich folgen kann. Was nützt mir die ausgerufene Berufung Musiker zu werden, wenn ich musikalisch völlig unbegabt bin und auch keinen Spaß daran finde. Nicht mit der Macht des Schicksals sondern mit der Macht des eigenen Könnens kommt die eigene Verantwortung. Aber wie entscheidet sich, welches Können ich entwickle?

Schicksal und Verantwortung2026-03-15T16:08:26+01:00

Unsportlicher Konflikt

Manche vergleichen sportlichen Wettbewerb mit Krieg. Das ist ein grober Denkfehler. In jedem Sport lässt sich alles ganz leicht wieder zurücksetzen. Im Leben und im Krieg lassen sich die Folgen unserer Taten nicht rückgängig machen – wir werden von ihnen in die Zukunft getragen wie von einem unaufhaltsamen Zug.

Unsportlicher Konflikt2026-03-04T22:08:18+01:00

Das Ende des Theaters?

Schauspielhaus Bochum. Premiere eines portugiesischen Stücks. Letzter Akt. Ein Schauspieler spricht den Monolog eines faschistischen Diktators. Es gibt Buhrufe. Zuschauer betreten die Bühne, werden handgreiflich. Seine Schauspielkollegen müssen eingreifen.

Das Ende des Theaters?2026-02-24T21:14:48+01:00

Nicht bereit

Wenn ich die Frage nicht über die Lippen bringe, dann bin ich gerade nicht bereit. Wenn du die Antwort nicht über die Lippen bringst, dann bist du gerade nicht bereit. Dieses „Nicht bereit sein“ muss sich zeigen dürfen und verdient vielleicht die wohlwollendste Aufmerksamkeit, denn wer will in einer Welt leben, in der ständig alle für alles bereit sein müssen?

Nicht bereit2026-02-19T22:34:31+01:00

Was erlaubt ist oder „Das Prinzip der Unvernunft“

Sie hinterlaßen die Erde in einem wehleidigeren Zustand als sie sie vorfanden. Und ich wollte sie anschreien: Mit welchem Recht handelt ihr so, wie ihr handelt?Sie sprachen: Die Rechtsprechung ihres Landes erlaubte es Ihnen.Ich fragte sie, ob sie immer nur danach handelten, was ihnen erlaubt war? Sie erwiderten: Ja.

Was erlaubt ist oder „Das Prinzip der Unvernunft“2026-02-17T22:53:06+01:00

Über das Anfangen

Ich sitze und starre auf die weiße Wand vor mir. Leerer Blick. Gedanken rattern. Gesprächsfetzen fangen meine Aufmerksamkeit für kurze Augenblicke. Ich will, aber ich kann nicht. Was will ich? Anfangen. Eine Arbeit aufnehmen. Wie ein Wurm, der sich aus einer klebrigen Watte in den lockeren, glatten Sand zu winden versucht.

Über das Anfangen2026-02-13T13:15:53+01:00

Extrem denken und mäßig handeln

Warum absolut denken, wenn wir uns auch zwischen Extremen bewegen können? Freilich bedeutet das, die Unabgeschlossenheit der Welt zu umarmen. Antrieb jeder Bewegung. Bewegung findet ins Offene hinein statt. Aber sie braucht genauso feste Stützen, aus denen sie ausbrechen kann. Bewegung zwischen Extremen setzt voraus, dass wir wagen, die Extreme zu denken. Aber lieber extrem denken und mäßig handeln, als extrem zu handeln und mäßig zu denken.

Extrem denken und mäßig handeln2026-02-13T13:12:49+01:00

Geisteswissenschaften als wildes Gebiet

Geisteswissenschaften sind Prinzipienwissenschaften. Nun interessiert Prinzipien Raum und Zeit, also Empirie nicht. Ein und dasselbe Prinzip kann überall und nirgends auftauchen. Die Zerstückelung der Geisteswissenschaften in Disziplinen ergibt keinen Sinn, wenn sie rein reflexiv und theoretisch praktiziert werden. Nur, wenn sie tatsächlich mit handwerklicher Praxis und dem Erlernen - beispielsweise archäologischer, ökonomischer oder schriftlicher Handgriffe verbunden ist -, ist eine Entscheidung für das Erlernen des Einen und gegen vieles Andere für den Zeitraum, den dieses Lernen braucht, legitim und sinnvoll.

Geisteswissenschaften als wildes Gebiet2026-02-13T13:00:27+01:00

Heranwachsen

Das Wichtigste, was ein heranwachsendes Lebewesen lernen muss, ist, den eigenen Körper und die eigene Stimme einzusetzen, um eigene Bedürfnisse zu äußern und um Grenzen zu setzen. Beides ist tatsächlich überlebenswichtig, um die eigene Existenz zu erhalten.

Heranwachsen2026-02-13T12:57:07+01:00
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