Schauspielhaus Bochum. Premiere eines portugiesischen Stücks. Letzter Akt. Ein Schauspieler spricht den Monolog eines faschistischen Diktators. Es gibt Buhrufe. Zuschauer betreten die Bühne, werden handgreiflich. Seine Schauspielkollegen müssen eingreifen. Das Ende des Theaters? Was bringt Theater einer Gesellschaft, wenn es nur das sagt, was das Publikum schon denkt, wenn es nur zeigt, was das Publikum bereits fühlt? Die Kunst verliert ihre gesellschaftliche Wirkung, wenn sie in Gruppen zersplittert. Die Irritation, die Überschreitung, auch die Provokation sind elementare Mittel des Theaters. Was nützt es der Gesellschaft, wenn Privilegierte sich ein Theater der Privilegierten anschauen? Was nützt es der Gesellschaft, wenn Unterdrückte sich ein Theater der Unterdrückten anschauen? Es nützt den Unterdrückten und es ist wichtig, wie ihre regelmäßigen Gruppentreffen. Aber gibt es dann noch einen Unterschied zu diesen Gruppentreffen oder ist es das Ende des Theaters?
22 Februar 2026
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