Geisteswissenschaften sind Prinzipienwissenschaften. Nun interessiert Prinzipien Raum und Zeit, also Empirie nicht. Ein und dasselbe Prinzip kann überall und nirgends auftauchen. Die Zerstückelung der Geisteswissenschaften in Disziplinen ergibt keinen Sinn, wenn sie rein reflexiv und theoretisch praktiziert werden. Nur, wenn sie tatsächlich mit handwerklicher Praxis und dem Erlernen - beispielsweise archäologischer, ökonomischer oder schriftlicher Handgriffe verbunden ist -, ist eine Entscheidung für das Erlernen des Einen und gegen vieles Andere für den Zeitraum, den dieses Lernen braucht, legitim und sinnvoll.
Die Trennung von Ausbildungen und dem Studium mit immer mehr Disziplinen - man zählt mittlerweile etwa 11.000 Studiengänge, wo es zu Goethes Zeiten noch vier waren -, diese Trennung ergibt schlichtweg in der jetzigen Form keinen Sinn. Sie ist regelrecht gefährlich, weil sie zuerst das Prinzip Teile und Herrsche vermittelt - das ist mein Fachgebiet, das ist deins - und eben nicht die Liebe am Leben und Lernen, die die ursprüngliche geistige Wissenschaft, die Philosophie ja meint. Es ist kein Zufall, dass in einer Welt der Disziplinen, die Philosophie zur sinnbefreitesten, arbeitsunpraktischsten Disziplin verkommen ist. Warum lassen wir die Geisteswissenschaftlerinnen nicht wildern, in allen theoretischen Gebieten, die sie interessieren? Die Prinzipien tun es auch.