Das Wichtigste, was ein heranwachsendes Lebewesen lernen muss, ist, den eigenen Körper und die eigene Stimme einzusetzen, um eigene Bedürfnisse zu äußern und um Grenzen zu setzen. Beides ist tatsächlich überlebenswichtig, um die eigene Existenz zu erhalten, sei es, um einer psychischen oder physischen Not von innen, z. B. Durst oder lähmende Gedanken, zu begegnen, sei es, um einem psychischen oder physischen Angriff von außen zu begegnen, z. B. wenn jemand großen Druck macht, dass man mitkommen oder etwas tun soll, was man nicht will, oder tatsächlich handgreiflich wird.
Eltern, die ihren Kindern jegliche Bedürfnisse von den Lippen ablesen, verhindern im wahrsten Sinne des Wortes, dass sie üben, ihre Stimme einzusetzen. Diese Eltern tun dies vermutlich aus einem starken Wunsch heraus, alles richtig zu machen, oder weil sie als Kind selbst sehr alleingelassen waren mit ihren Bedürfnissen und auf gar keinen Fall, wie ihre Eltern werden wollen. Aus der Theorie heraus kann ich mich für den Pfad einsetzen, bei dem das Kind gesehen und dem Kind der eigene Raum zugestanden wird, sich mit seinen Fähigkeiten aus eigener Kraft zu entfalten. Dabei macht es einen großen Unterschied, ob ein Mensch im Kontakt zu zweit seine Stimme einsetzen kann oder auch im Kontakt mit einer Gruppe. Deshalb ist es sehr wichtig, dass insbesondere Einzelkinder, die immer nur Kontakt zu einem Elternteil haben, in der Schule gute Erfahrungen machen mit dem Einsatz ihrer Stimme in der Gruppe. Damit geht einher, dass das Kind lernt sich wohlzufühlen in der eigenen Haut und sich traut, sich anderen zu zeigen. Der Einsatz des eigenen Körpers und der eigenen Stimme kann zur Selbstverständlichkeit werden, wenn wir ihn mit Heranwachsenden und zugegeben auch mit Erwachsenen üben.