Ich sah mich um. Neben mir stand Nils hinter der Kasse und war dabei, sich zum Kühlschrank umzudrehen und der jungen Frau mit den blonden Haaren eine Mate zu holen. Ein Schritt weiter bediente Chin zwei Gäste gleichzeitig. Drei Glühweinbecher am Fass aufgereiht, der Hahn aufgedreht, während er schon mal abkassierte. Der DJ hatte die Musik wieder lauter gedreht, der Raum drohte vor Menschen zu zerplatzen und ich trocknete in aller Ruhe einen Becher nach dem anderen ab, als mein Blick über Gesichter, lachende Münder, Augenringe, farbige Schals, schwarze Lederjacken und vorbei an goldenen Ohrringen und Peircings auf der rechten Seite des Raumes auf die Augen einer etwas kleineren, jungen Frau mit einer karierten, hellgrauen Mütze, die perfekt zu ihrem Kopf passte, traf. Intuitiv teilten wir ein Lächeln, eine warme Berührung, kurz, kaum länger als ein Wechsel von einem Zweieurostück und einem Glühweinbecher und dennoch unvergleichlich eindrücklicher. Ich sah ihre großgewachsene Freundin, die in dem eben geschehendem Bild neben ihr gestanden hatte, zur Tür gehen, dann war auch die junge Frau mit der Mütze verschwunden.
Hinter der blonden Frau war ein Mann aufgetaut, der seit Jahren immer mal wieder in meiner Peripherie plötzlich vor mir gestanden hatte. Auf einer Schüler:innentagung, in der ersten Stadt meiner Studi-Karriere und dann ausgerechnet in der WG von gut befreundeten Menschen, auf Partys und nicht zuletzt erst vor ein paar Wochen in dieser für mich noch so neuen Stadt. Ich wusste seinen Namen, seinen Spitznamen, wann er sich mal daneben benommen hatte, was er studierte und jetzt sah ich ihn mit einer Freundlichkeit an, die man wohl nur denjenigen entgegenbringt, die man bereits kennt und begrüßen will oder denjenigen, die man kennenlernen und eindrucksvoll begrüßen will. „Patrick“, „Pat“, „wir kennen uns“, „Du hast doch in dieser WG in Freiburg gelebt“… Sätze schossen mir durch den Kopf. Nils war mit der Frau etwas zur Seite gegangen und ich nutzte die Chance, mich an die freie Stelle am Tresen zu stellen, Pats Blick zu suchen und ihn zu mir zu ziehen. Er wollte dreimal Glühwein. Er erkannte mich nicht. Er lächelte kurz, dann redete er mit seiner Begleitung. Hinter ihm warteten eine Handvoll Menschen und obwohl wir eigentlich genug Menschen am Tresen waren, überkam mich ein Stress- und Verantwortungsgefühl, dass immer bei mir einsetzte, wenn ich im direkten Kontakt mit Menschen an einer Kasse bin. Warum zeigte er keine Regung. Sein Blick ging durch mich durch, als wäre ich nur zum Bedienen da. Ich erklärte ihm unser Pfandsystem und biss mir auf die Zunge als ich ihm den letzten Becher überreichte. „Lass es dir schmecken“ Patrick.
Nach zehn weiteren Minuten interessierte sich plötzlich keiner mehr für unseren Glühwein. Ich nutzte die Gelegenheit, um nach dem Fass zu schauen und mich mit Ronja, unserer Head of Bar, darüber zu streiten, ob wir schon mal Glühwein nachkippen sollten. Sie hatte Angst, dass wir ihn dann nicht mehr vor Schluss verkauft bekommen und war dagegen. Die durstigen Menschen sind wie das Kommen und Gehen der Flut am Meer. Sie würden bestimmt nochmal kommen, dachte ich. Stattdessen kam die junge Frau mit der schicken Mütze auf einmal auf den Tresen zu. Sie schaute nicht auf den Glühwein, die Karte oder den Kühlschrank, sie schaute direkt auf mich und zögerte auch nicht: „Ich wollte dir was sagen, und zwar, dass du voll präsent wirkst hinter der Bar.“ „Danke“ erwidere ich mit dem gleichen Lächeln wie vorhin oder will ich erwidern, doch Chin lenkt mich ab, reißt einen Spruch, dass ich nicht nur präsent, sondern auch noch zu haben sei, oder so, ich höre ihn nicht richtig. Unser Blick reißt ab, ich frage Chin, was er gesagt hat und als ich meinen Fehler bemerke, ist sie schon am Gehen. Ich hätte ihr gern gesagt, dass ich ihre Mütze mag und sie ihr steht, hätte ihr gern gesagt, wie mutig und inspirierend ich es finde, dass sie einfach so zu mir gekommen ist und mir das gesagt hat, hätte sie gern nach ihrem Namen gefragt.
Nachdem die Schicht vorbei ist und ich sie draußen mit ein paar Freunden im Kreis redend sehe, gehen mir die ungesagten Worte weiter durch den Kopf, doch ich bin ausgelaugt, muss Luft holen nach vier Stunden voller Handgriffe, Anschreien gegen die Musik und Aufweichen meiner Hände im Spülwasser. Ich sage mir, dass ich nur kurz auf dem Platz spazieren gehe, dass ich auf jeden Fall zurückkommen werde, um mich von Nils und Ronja zu verabschieden. Ich genieße es doch, rede ich mir ein, allein unterm Sternenhimmel, allein mit dieser klaren, kalten Luft zu sein. Schon entferne ich mich von den Menschen, von ihr.
Der Platz ist eher ein kleines Dorf als ein Platz. Tiny Häuser, bemalte Container, allerlei Möbel, Metallstücke und Regentonnen zieren den Saum der Pflastersteine. Sogar eine kleine Kapelle taucht vor mir auf. Die Tür lässt sich öffnen. Drinnen brennen noch ein paar Kerzen und beleuchten unter anderem ein altes Klavier. Ich hebe die Klappe des Instruments und entlade meine Gedanken, Emotionen und Eindrücke. Es muss bestimmt eine halbe Stunde vergangen sein, da zerrinnt die Freude am Musizieren, auch Nils und Ronja könnten bald weg sein. Ich will mich noch von ihnen verabschieden. Behutsam schließe ich die Tür und gehe zügigen Schrittes zurück zu den Menschen. Sie ist weg. Es kommt mir fast entgegen. Ich hätte nicht gewusst, wie ich sie hätte ansprechen sollen, wenn sie immer noch mit ihren Freunden im Kreis gestanden und geredet hätte. In der Bar fand ich Ronja und strahlte sie an. Sie und ihre Freunde waren die letzten in der Bar. Ronja, die ihre Verantwortung fühlt und ich, der nicht anders kann, räumen noch etwas auf, dann verabschieden wir uns.

Auf dem Fahrrad auf dem Nachhauseweg geht mir durch den Kopf, dass ich sie hoffentlich noch einmal wiedersehe, dass sie jemand spannendes sein könnte, dass sie mich neugierig gemacht hat, gefolgt von den unromantischen Kommentaren meines Verstandes, warum ich denn auch nur eine Sekunde an einen Menschen verschwende, den ich für zehn Sekunden kenne. So kämpfen eine unverhältnismäßige Verliebtheit und ein zu verhältnismäßiger Verstand während meine Beine mich durch die Kälte tragen. Es liegt nicht in meiner Hand, aber wenn die Chance käme, würde ich ihr sagen, dass sie mich beeindruckt hat, oder würde ich gerade nicht das sagen können, was ich will, weil ich nicht weiß, was ich will, weil zu viele Gedanken, weil zu viel Hoffnung, weil zu viel Erinnerung an andere Male der plötzlichen Hingezogenheit zu schönen, selbstbewussten Frauen meine Stimme überlagern würden?

Am nächsten Mittag besuche ich in einem Kulturzentrum mit El, einer guten Freundin, einen Markt mit allerlei kreativen Menschen und ihren Sachen. Nachdem wir schon unsere Jacken an der Garderobe wieder angezogen haben, fällt El ein, dass sie noch ein Stück von der Bar mit selbstgemachten Kuchen hinten bei der Werkstatt haben will. Ich schließe mich an. Die nette Frau, die uns den Kuchen verkauft, ärgert sich, weil ihr das Kuchenstück immer, wenn sie uns bedient, fast auf die Seite fällt. Zufrieden drängen wir uns wieder zur Tür, da kommt mir eine großgewachsene irgendwie bekannt vorkommende Person entgegen. War sie nicht gestern in der Bar gewesen und … mit ihr gegangen. Direkt hinter ihr taucht sie auf, mit einer anderen nicht minder schicken und zu ihr passenden Mütze. In dicker Winterjacke, mit Kuchenstück, Rucksack in diesem engen Gang fühle ich mich in diesem Moment so unbeweglich wie mein Mund. Wir sind nur noch wenige Handbreit voneinander entfernt, da hellt sich ihr Gesicht auf, aber auch ihr Mund scheint nichts sagen zu wollen. Ich erwähne ihre andere Mütze, sie nickt bloß, schon treibt es uns weiter in entgegengesetzte Richtungen. Ich schaue sie an, falls ich ihr je nach der gestrigen Begegnung noch etwas sagen wollte, niemand hätte es in dem Moment bemerkt. Ich bin nur zu der Hoffnung in der Lage, dass sie nochmal den Mut aufbringt, handelt und ich reagieren kann, muss. Aber nein, ein letzter Blick, dann sind für sie die Verkaufsstände und für mich die Tür zum Ausgang wieder interessanter. Zumindest tun wir so. In mir sind zehn Liter heißer Schweiß ausgebrochen und ich kriege nicht mit, wie El, mich fünfzig Meter weiter auf eine Bank mitzieht, um ihren Kuchen zu essen.
Sie fängt an, zu reden, aber mir fällt es schwer ihr zuzuhören. Es sind nur ein paar Dutzend Meter und eine Tür doch nachwievor fühle ich mich unbeweglich, weiß nicht, was ich eigentlich will oder habe Angst davor, auch so rüberzukommen oder so rüberzukommen, als ob ich unangemessen viel will. Sie fragt mich, ob alles gut sei. Ich nicke vehement und sage etwas über den Künstlermarkt, dass er nett gewesen sei, ich mir aber mehr erhofft hatte. Trauer steigt in mir auf. Wenig später setzen wir uns in Bewegung und die Werkstatt, der Moment an der Bar und dieser Mensch, der für ein paar Stunden hervorgestochen ist, in der Menge von Menschen dieser Welt, bleiben zurück.

Ich sah mich um. Neben mir stand Nils hinter der Kasse und war dabei, sich zum Kühlschrank umzudrehen und der jungen Frau mit den blonden Haaren eine Mate zu holen. Ein Schritt weiter bediente Chin zwei Gäste gleichzeitig. Drei Glühweinbecher am Fass aufgereiht, der Hahn aufgedreht, während er schon mal abkassierte. Der DJ hatte die Musik wieder lauter gedreht, der Raum drohte vor Menschen zu zerplatzen und ich trocknete in aller Ruhe einen Becher nach dem anderen ab, als mein Blick über Gesichter, lachende Münder, Augenringe, farbige Schals, schwarze Lederjacken und vorbei an goldenen Ohrringen und Peircings auf der rechten Seite des Raumes auf die Augen einer etwas kleineren, jungen Frau mit einer karierten, hellgrauen Mütze, die perfekt zu ihrem Kopf passte, traf. Intuitiv teilten wir ein Lächeln, eine warme Berührung, kurz, kaum länger als ein Wechsel von einem Zweieurostück und einem Glühweinbecher und dennoch unvergleichlich eindrücklicher. Ich sah ihre großgewachsene Freundin, die in dem eben geschehendem Bild neben ihr gestanden hatte, zur Tür gehen, dann war auch die junge Frau mit der Mütze verschwunden.
Hinter der blonden Frau war ein Mann aufgetaut, der seit Jahren immer mal wieder in meiner Peripherie plötzlich vor mir gestanden hatte. Auf einer Schüler:innentagung, in der ersten Stadt meiner Studi-Karriere und dann ausgerechnet in der WG von gut befreundeten Menschen, auf Partys und nicht zuletzt erst vor ein paar Wochen in dieser für mich noch so neuen Stadt. Ich wusste seinen Namen, seinen Spitznamen, wann er sich mal daneben benommen hatte, was er studierte und jetzt sah ich ihn mit einer Freundlichkeit an, die man wohl nur denjenigen entgegenbringt, die man bereits kennt und begrüßen will oder denjenigen, die man kennenlernen und eindrucksvoll begrüßen will. „Patrick“, „Pat“, „wir kennen uns“, „Du hast doch in dieser WG in Freiburg gelebt“… Sätze schossen mir durch den Kopf. Nils war mit der Frau etwas zur Seite gegangen und ich nutzte die Chance, mich an die freie Stelle am Tresen zu stellen, Pats Blick zu suchen und ihn zu mir zu ziehen. Er wollte dreimal Glühwein. Er erkannte mich nicht. Er lächelte kurz, dann redete er mit seiner Begleitung. Hinter ihm warteten eine Handvoll Menschen und obwohl wir eigentlich genug Menschen am Tresen waren, überkam mich ein Stress- und Verantwortungsgefühl, dass immer bei mir einsetzte, wenn ich im direkten Kontakt mit Menschen an einer Kasse bin. Warum zeigte er keine Regung. Sein Blick ging durch mich durch, als wäre ich nur zum Bedienen da. Ich erklärte ihm unser Pfandsystem und biss mir auf die Zunge als ich ihm den letzten Becher überreichte. „Lass es dir schmecken“ Patrick.
Nach zehn weiteren Minuten interessierte sich plötzlich keiner mehr für unseren Glühwein. Ich nutzte die Gelegenheit, um nach dem Fass zu schauen und mich mit Ronja, unserer Head of Bar, darüber zu streiten, ob wir schon mal Glühwein nachkippen sollten. Sie hatte Angst, dass wir ihn dann nicht mehr vor Schluss verkauft bekommen und war dagegen. Die durstigen Menschen sind wie das Kommen und Gehen der Flut am Meer. Sie würden bestimmt nochmal kommen, dachte ich. Stattdessen kam die junge Frau mit der schicken Mütze auf einmal auf den Tresen zu. Sie schaute nicht auf den Glühwein, die Karte oder den Kühlschrank, sie schaute direkt auf mich und zögerte auch nicht: „Ich wollte dir was sagen, und zwar, dass du voll präsent wirkst hinter der Bar.“ „Danke“ erwidere ich mit dem gleichen Lächeln wie vorhin oder will ich erwidern, doch Chin lenkt mich ab, reißt einen Spruch, dass ich nicht nur präsent, sondern auch noch zu haben sei, oder so, ich höre ihn nicht richtig. Unser Blick reißt ab, ich frage Chin, was er gesagt hat und als ich meinen Fehler bemerke, ist sie schon am Gehen. Ich hätte ihr gern gesagt, dass ich ihre Mütze mag und sie ihr steht, hätte ihr gern gesagt, wie mutig und inspirierend ich es finde, dass sie einfach so zu mir gekommen ist und mir das gesagt hat, hätte sie gern nach ihrem Namen gefragt.
Nachdem die Schicht vorbei ist und ich sie draußen mit ein paar Freunden im Kreis redend sehe, gehen mir die ungesagten Worte weiter durch den Kopf, doch ich bin ausgelaugt, muss Luft holen nach vier Stunden voller Handgriffe, Anschreien gegen die Musik und Aufweichen meiner Hände im Spülwasser. Ich sage mir, dass ich nur kurz auf dem Platz spazieren gehe, dass ich auf jeden Fall zurückkommen werde, um mich von Nils und Ronja zu verabschieden. Ich genieße es doch, rede ich mir ein, allein unterm Sternenhimmel, allein mit dieser klaren, kalten Luft zu sein. Schon entferne ich mich von den Menschen, von ihr.
Der Platz ist eher ein kleines Dorf als ein Platz. Tiny Häuser, bemalte Container, allerlei Möbel, Metallstücke und Regentonnen zieren den Saum der Pflastersteine. Sogar eine kleine Kapelle taucht vor mir auf. Die Tür lässt sich öffnen. Drinnen brennen noch ein paar Kerzen und beleuchten unter anderem ein altes Klavier. Ich hebe die Klappe des Instruments und entlade meine Gedanken, Emotionen und Eindrücke. Es muss bestimmt eine halbe Stunde vergangen sein, da zerrinnt die Freude am Musizieren, auch Nils und Ronja könnten bald weg sein. Ich will mich noch von ihnen verabschieden. Behutsam schließe ich die Tür und gehe zügigen Schrittes zurück zu den Menschen. Sie ist weg. Es kommt mir fast entgegen. Ich hätte nicht gewusst, wie ich sie hätte ansprechen sollen, wenn sie immer noch mit ihren Freunden im Kreis gestanden und geredet hätte. In der Bar fand ich Ronja und strahlte sie an. Sie und ihre Freunde waren die letzten in der Bar. Ronja, die ihre Verantwortung fühlt und ich, der nicht anders kann, räumen noch etwas auf, dann verabschieden wir uns.

Auf dem Fahrrad auf dem Nachhauseweg geht mir durch den Kopf, dass ich sie hoffentlich noch einmal wiedersehe, dass sie jemand spannendes sein könnte, dass sie mich neugierig gemacht hat, gefolgt von den unromantischen Kommentaren meines Verstandes, warum ich denn auch nur eine Sekunde an einen Menschen verschwende, den ich für zehn Sekunden kenne. So kämpfen eine unverhältnismäßige Verliebtheit und ein zu verhältnismäßiger Verstand während meine Beine mich durch die Kälte tragen. Es liegt nicht in meiner Hand, aber wenn die Chance käme, würde ich ihr sagen, dass sie mich beeindruckt hat, oder würde ich gerade nicht das sagen können, was ich will, weil ich nicht weiß, was ich will, weil zu viele Gedanken, weil zu viel Hoffnung, weil zu viel Erinnerung an andere Male der plötzlichen Hingezogenheit zu schönen, selbstbewussten Frauen meine Stimme überlagern würden?

Am nächsten Mittag besuche ich in einem Kulturzentrum mit El, einer guten Freundin, einen Markt mit allerlei kreativen Menschen und ihren Sachen. Nachdem wir schon unsere Jacken an der Garderobe wieder angezogen haben, fällt El ein, dass sie noch ein Stück von der Bar mit selbstgemachten Kuchen hinten bei der Werkstatt haben will. Ich schließe mich an. Die nette Frau, die uns den Kuchen verkauft, ärgert sich, weil ihr das Kuchenstück immer, wenn sie uns bedient, fast auf die Seite fällt. Zufrieden drängen wir uns wieder zur Tür, da kommt mir eine großgewachsene irgendwie bekannt vorkommende Person entgegen. War sie nicht gestern in der Bar gewesen und … mit ihr gegangen. Direkt hinter ihr taucht sie auf, mit einer anderen nicht minder schicken und zu ihr passenden Mütze. In dicker Winterjacke, mit Kuchenstück, Rucksack in diesem engen Gang fühle ich mich in diesem Moment so unbeweglich wie mein Mund. Wir sind nur noch wenige Handbreit voneinander entfernt, da hellt sich ihr Gesicht auf, aber auch ihr Mund scheint nichts sagen zu wollen. Ich erwähne ihre andere Mütze, sie nickt bloß, schon treibt es uns weiter in entgegengesetzte Richtungen. Ich schaue sie an, falls ich ihr je nach der gestrigen Begegnung noch etwas sagen wollte, niemand hätte es in dem Moment bemerkt. Ich bin nur zu der Hoffnung in der Lage, dass sie nochmal den Mut aufbringt, handelt und ich reagieren kann, muss. Aber nein, ein letzter Blick, dann sind für sie die Verkaufsstände und für mich die Tür zum Ausgang wieder interessanter. Zumindest tun wir so. In mir sind zehn Liter heißer Schweiß ausgebrochen und ich kriege nicht mit, wie El, mich fünfzig Meter weiter auf eine Bank mitzieht, um ihren Kuchen zu essen.
Sie fängt an, zu reden, aber mir fällt es schwer ihr zuzuhören. Es sind nur ein paar Dutzend Meter und eine Tür doch nachwievor fühle ich mich unbeweglich, weiß nicht, was ich eigentlich will oder habe Angst davor, auch so rüberzukommen oder so rüberzukommen, als ob ich unangemessen viel will. Sie fragt mich, ob alles gut sei. Ich nicke vehement und sage etwas über den Künstlermarkt, dass er nett gewesen sei, ich mir aber mehr erhofft hatte. Trauer steigt in mir auf. Wenig später setzen wir uns in Bewegung und die Werkstatt, der Moment an der Bar und dieser Mensch, der für ein paar Stunden hervorgestochen ist, in der Menge von Menschen dieser Welt, bleiben zurück.