Momente des Erwachsenwerdens
Ihr Kennenlernen war kurz und schmerzlos. Erik und Chloé hatten gemeinsame Freunde, sodass es nur eine Frage der Zeit war, bis sie sich kennenlernen würden. Als sie es taten, war es Abend. Ihre gemeinsamen Freunde hatten sich zum Kino verabredet und sie beide eingeladen. Es war Award-Season und ihre Freunde hatten ausnahmsweise einen guten Film ausgesucht, sodass sie beide sofort dabei waren. Erik und Chloé liebten Filme. Als könnten sie das aneinander riechen waren sie schon auf dem Weg vom Bahnhof zum Kino im Gespräch über Tarkovsky und Agnes Varda und versuchten die zentralen gesellschaftlichen Entwicklungen der nördlichen Hemisphäre anhand der 35mm Filmrollen dieser beiden Genies nachzuzeichnen. Es muss nicht erwähnt werden, dass sie anschließend in der Bar, nachdem sie den neuen Film von Yorgos Lanthimos zerpflückt hatten, zurück zu den wirklich wichtigen Fragen der Filmgeschichte kamen und für sie der Abend nicht lang genug hätte gehen können. Das war der Vorteil, wenn man mit mehr als sechs Menschen unterwegs war. Zwei konnten sich Kennenlernen und in der Gruppe mitschwimmen, ohne dass sich die Gruppe daran störte. Als sie sich verabschiedeten zogen Chloé und Erik gleichzeitig das Handy. Er würde sie anrufen. „Nicht, wenn ich dich zuerst erwische“ lachte sie. Der Abend war einer dieser Momente wie aus einem Guss. Sie arbeitete als Softwareengineurin, er arbeitete in einem Café und in einem Verein der Obdachlosenhilfe und mit seinem zweiten Ehrenamt organisierte er lokale, kulturelle Veranstaltungen. Chloé konnte sich die meiste Zeit aussuchen, wo sie arbeitete. Bald sahen sie sich beinahe täglich. In gemeinsamen Pausen spielten sie Kartenspiele, schnelle Kartenspiele und wurden manchmal etwas laut und lachten nur umso lauter, wenn die anderen im Café sich zu ihnen umdrehten. Es dauerte nicht lange, da machte es Klick in Eriks Kopf. Auch Chloé erahnte eine Lust, weiterzugehen, aber bei Erik war es anders. Wenn sie einmal nicht zu ihm ins Café kam, konnte er kaum an etwas anderes denken. Zu seinem Wunsch, sie zu sehen, mischte sich die Sorge, dass ihr etwas zugestoßen sein könnte oder dass sich ihre Gefühle zu ihm verändert hätten. Erik schaffte es gut, diese Seite vor ihr geheim zu halten. Doch auch ihre Begegnungen hatten an Lockerheit verloren. Es ist schon spät im Herbst. Chloé sitzt mit Jo, ihrer besten Freundin, in der Küche, dampfenden Tee in ihrer Mitte. Chloé starrt etwas gedankenverloren in die dunkle, von hellen Schwaden überzogene Flüssigkeit. Jo bemerkt es sofort. „Was ist los?“ Chloé braucht einen Moment. „Ich kann mich irgendwie nicht richtig bei ihm fallen lassen. Oder Nein, ich kann nichts anderes. Er will nur, dass ich mich bei ihm fallen lasse.“ Eine Träne kämpft sich hinter ihrem Auge hervor. „Er ist so weich und irgendwie macht es das so hart zwischen uns. Ich vermisse die Reibung, das Spiel mit dem Ungewissen – uns mal aus den Augen verlieren, wieder zueinander kämpfen. Er scheint keine Distanz auszuhalten.“ „Und hältst du Distanz aus?“ „Ich denke schon, aber ich will ihn auch nicht verletzen.“ „Wie soll ich ihm sagen, dass er mehr Distanz aushalten soll, dass ich mir mehr Reibung mit ihm wünsche?“ Jo lächelt gequält. „Er ist so schnell rausgerückt mit all seiner Hingabe. Macht man das so? Wieso denkt er, dass ich die eine bin? Ich glaube fast, ihm fehlt ein gesundes Misstrauen in mich, so viel Vertrauen habe ich nicht verdient.“ „Drei Monate kennt ihr euch?“ Chloé nickte. Schmerz stieg in ihr auf und wischte zu ihrer Erleichterung ein paar lähmende Gedanken weg. „Vielleicht musst du misstrauisch für euch beide sein…“ „Aber ich will doch vertrauen können! Was ist falsch mit mir?“ Jo streichelte ihre Hand. Nach einer Weile sagte sie: „Nichts. Mir wäre es genauso gegangen. Erinnerst du dich an Karl?“ „Ja“ Ihre Miene heiterte sich ungewollt auf. „Karl war auch so schnell bereit, unsere Welt über alles zu stellen.“ „Er war süß, aber nie so ganz bei dir hatte ich das Gefühl.“ „Zu mir zu kommen, ist gefährlich“ fauchte Jo. „Männer scheinen zu denken, dass sie, weil sie äußerlich in einer patriarchalen Welt nichts zu befürchten haben, nicht groß misstrauisch sein müssten, wenn sie jemanden kennenlernen.“„Wir wünschen uns alle manchmal eine Welt, in der wir einfach vertrauen können und alles gut ist, aber wenn es nur Vertrauen gibt, dann ist Vertrauen nichts wert!“ Chloé öffnete zögerlich den Mund: „Liebe macht blind, Misstrauen macht wachsam?“ Jo schwieg zustimmend. In Chloé bäumte sich etwas auf, vielleicht eine der vielen Disney-Prinzessinnen, die sie in ihrem Leben schon geschluckt hatte: „Aber nochmal, ich will nicht, dass Misstrauen wie eine gläserne Mauer zwischen uns steht. Ich will vertrauen können!“ „Warum vertraust du ihm dann nicht?“ „Ich…“ Jo ergriff das Wort: „Ich glaube, das hat einen guten Grund. Sich auf eine Beziehung einzulassen, bedeutet gemeinsam laufen zu lernen. Wenn du nicht bereit bist, für einen nächsten Schritt, dann täte er gut daran, auch noch nicht bereit zu sein. Es ist schließlich gut möglich, dass es auch etwas mit ihm zu tun hat. Man kann sich nicht sagen, dass man bereit ist, das hat etwas mit Gefühl und instinktivem Willen zu tun. Wenn man wirklich bereit ist, dann schmücken die Worte nur den Moment aus, aber es bräuchte sie nicht, der Wille, die Energie, das Prickeln, es ist alles schon da.“ Sie nahm einen Schluck vom Tee.„Ich musste gerade an euer Kennenlernen denken. Du hast mir mit solchem Strahlen davon erzählt, wie ihr ohne Absprache zeitgleich eure Handys gezuckt habt, um Nummern auszutauschen.“ Ein wärmendes Gefühl flutete Chloés Lungen, dann kam wieder der Schmerz. Dieser Moment schien eine Ewigkeit her zu sein. „Ja, da will ich wieder hin.“ Schluchzte sie und ihre Brust bebte. „Ich glaube du / ich glaube ich sollte ihn fragen, was seine Vorstellung für uns ist. Ich nehme gerade an, dass er möglichst bald, möglichst fest mit mir zusammen sein will, aber vielleicht ist es gar nicht so. Und ich werde ihm klar sagen, was ich gerade will und was nicht.“ „Was wolltest du sagen?“ „Genau das gleiche“ lächelte Jo.
Ich sah mich um. Neben mir stand Nils hinter der Kasse und war dabei, sich zum Kühlschrank umzudrehen und der jungen Frau mit den blonden Haaren eine Mate zu holen. Ein Schritt weiter bediente Chin zwei Gäste gleichzeitig. Drei Glühweinbecher am Fass aufgereiht, der Hahn aufgedreht, während er schon mal abkassierte. Der DJ hatte die Musik wieder lauter gedreht, der Raum drohte vor Menschen zu zerplatzen und ich trocknete in aller Ruhe einen Becher nach dem anderen ab, als mein Blick über Gesichter, lachende Münder, Augenringe, farbige Schals, schwarze Lederjacken und vorbei an goldenen Ohrringen und Peircings auf der rechten Seite des Raumes auf die Augen einer etwas kleineren, jungen Frau mit einer karierten, hellgrauen Mütze, die perfekt zu ihrem Kopf passte, traf. Intuitiv teilten wir ein Lächeln, eine warme Berührung, kurz, kaum länger als ein Wechsel von einem Zweieurostück und einem Glühweinbecher und dennoch unvergleichlich eindrücklicher. Ich sah ihre großgewachsene Freundin, die in dem eben geschehendem Bild neben ihr gestanden hatte, zur Tür gehen, dann war auch die junge Frau mit der Mütze verschwunden. Hinter der blonden Frau war ein Mann aufgetaut, der seit Jahren immer mal wieder in meiner Peripherie plötzlich vor mir gestanden hatte. Auf einer Schüler:innentagung, in der ersten Stadt meiner Studi-Karriere und dann ausgerechnet in der WG von gut befreundeten Menschen, auf Partys und nicht zuletzt erst vor ein paar Wochen in dieser für mich noch so neuen Stadt. Ich wusste seinen Namen, seinen Spitznamen, wann er sich mal daneben benommen hatte, was er studierte und jetzt sah ich ihn mit einer Freundlichkeit an, die man wohl nur denjenigen entgegenbringt, die man bereits kennt und begrüßen will oder denjenigen, die man kennenlernen und eindrucksvoll begrüßen will. „Patrick“, „Pat“, „wir kennen uns“, „Du hast doch in dieser WG in Freiburg gelebt“… Sätze schossen mir durch den Kopf. Nils war mit der Frau etwas zur Seite gegangen und ich nutzte die Chance, mich an die freie Stelle am Tresen zu stellen, Pats Blick zu suchen und ihn zu mir zu ziehen. Er wollte dreimal Glühwein. Er erkannte mich nicht. Er lächelte kurz, dann redete er mit seiner Begleitung. Hinter ihm warteten eine Handvoll Menschen und obwohl wir eigentlich genug Menschen am Tresen waren, überkam mich ein Stress- und Verantwortungsgefühl, dass immer bei mir einsetzte, wenn ich im direkten Kontakt mit Menschen an einer Kasse bin. Warum zeigte er keine Regung. Sein Blick ging durch mich durch, als wäre ich nur zum Bedienen da. Ich erklärte ihm unser Pfandsystem und biss mir auf die Zunge als ich ihm den letzten Becher überreichte. „Lass es dir schmecken“ Patrick. Nach zehn weiteren Minuten interessierte sich plötzlich keiner mehr für unseren Glühwein. Ich nutzte die Gelegenheit, um nach dem Fass zu schauen und mich mit Ronja, unserer Head of Bar, darüber zu streiten, ob wir schon mal Glühwein nachkippen sollten. Sie hatte Angst, dass wir ihn dann nicht mehr vor Schluss verkauft bekommen und war dagegen. Die durstigen Menschen sind wie das Kommen und Gehen der Flut am Meer. Sie würden bestimmt nochmal kommen, dachte ich. Stattdessen kam die junge Frau mit der schicken Mütze auf einmal auf den Tresen zu. Sie schaute nicht auf den Glühwein, die Karte oder den Kühlschrank, sie schaute direkt auf mich und zögerte auch nicht: „Ich wollte dir was sagen, und zwar, dass du voll präsent wirkst hinter der Bar.“ „Danke“ erwidere ich mit dem gleichen Lächeln wie vorhin oder will ich erwidern, doch Chin lenkt mich ab, reißt einen Spruch, dass ich nicht nur präsent, sondern auch noch zu haben sei, oder so, ich höre ihn nicht richtig. Unser Blick reißt ab, ich frage Chin, was er gesagt hat und als ich meinen Fehler bemerke, ist sie schon am Gehen. Ich hätte ihr gern gesagt, dass ich ihre Mütze mag und sie ihr steht, hätte ihr gern gesagt, wie mutig und inspirierend ich es finde, dass sie einfach so zu mir gekommen ist und mir das gesagt hat, hätte sie gern nach ihrem Namen gefragt. Nachdem die Schicht vorbei ist und ich sie draußen mit ein paar Freunden im Kreis redend sehe, gehen mir die ungesagten Worte weiter durch den Kopf, doch ich bin ausgelaugt, muss Luft holen nach vier Stunden voller Handgriffe, Anschreien gegen die Musik und Aufweichen meiner Hände im Spülwasser. Ich sage mir, dass ich nur kurz auf dem Platz spazieren gehe, dass ich auf jeden Fall zurückkommen werde, um mich von Nils und Ronja zu verabschieden. Ich genieße es doch, rede ich mir ein, allein unterm Sternenhimmel, allein mit dieser klaren, kalten Luft zu sein. Schon entferne ich mich von den Menschen, von ihr. Der Platz ist eher ein kleines Dorf als ein Platz. Tiny Häuser, bemalte Container, allerlei Möbel, Metallstücke und Regentonnen zieren den Saum der Pflastersteine. Sogar eine kleine Kapelle taucht vor mir auf. Die Tür lässt sich öffnen. Drinnen brennen noch ein paar Kerzen und beleuchten unter anderem ein altes Klavier. Ich hebe die Klappe des Instruments und entlade meine Gedanken, Emotionen und Eindrücke. Es muss bestimmt eine halbe Stunde vergangen sein, da zerrinnt die Freude am Musizieren, auch Nils und Ronja könnten bald weg sein. Ich will mich noch von ihnen verabschieden. Behutsam schließe ich die Tür und gehe zügigen Schrittes zurück zu den Menschen. Sie ist weg. Es kommt mir fast entgegen. Ich hätte nicht gewusst, wie ich sie hätte ansprechen sollen, wenn sie immer noch mit ihren Freunden im Kreis gestanden und geredet hätte. In der Bar fand ich Ronja und strahlte sie an. Sie und ihre Freunde waren die letzten in der Bar. Ronja, die ihre Verantwortung fühlt und ich, der nicht anders kann, räumen noch etwas auf, dann verabschieden wir uns.Auf dem Fahrrad auf dem Nachhauseweg geht mir durch den Kopf, dass ich sie hoffentlich noch einmal wiedersehe, dass sie jemand spannendes sein könnte, dass sie mich neugierig gemacht hat, gefolgt von den unromantischen Kommentaren meines Verstandes, warum ich denn auch nur eine Sekunde an einen Menschen verschwende, den ich für zehn Sekunden kenne. So kämpfen eine unverhältnismäßige Verliebtheit und ein zu verhältnismäßiger Verstand während meine Beine mich durch die Kälte tragen. Es liegt nicht in meiner Hand, aber wenn die Chance käme, würde ich ihr sagen, dass sie mich beeindruckt hat, oder würde ich gerade nicht das sagen können, was ich will, weil ich nicht weiß, was ich will, weil zu viele Gedanken, weil zu viel Hoffnung, weil zu viel Erinnerung an andere Male der plötzlichen Hingezogenheit zu schönen, selbstbewussten Frauen meine Stimme überlagern würden? Am nächsten Mittag besuche ich in einem Kulturzentrum mit El, einer guten Freundin, einen Markt mit allerlei kreativen Menschen und ihren Sachen. Nachdem wir schon unsere Jacken an der Garderobe wieder angezogen haben, fällt El ein, dass sie noch ein Stück von der Bar mit selbstgemachten Kuchen hinten bei der Werkstatt haben will. Ich schließe mich an. Die nette Frau, die uns den Kuchen verkauft, ärgert sich, weil ihr das Kuchenstück immer, wenn sie uns bedient, fast auf die Seite fällt. Zufrieden drängen wir uns wieder zur Tür, da kommt mir eine großgewachsene irgendwie bekannt vorkommende Person entgegen. War sie nicht gestern in der Bar gewesen und … mit ihr gegangen. Direkt hinter ihr taucht sie auf, mit einer anderen nicht minder schicken und zu ihr passenden Mütze. In dicker Winterjacke, mit Kuchenstück, Rucksack in diesem engen Gang fühle ich mich in diesem Moment so unbeweglich wie mein Mund. Wir sind nur noch wenige Handbreit voneinander entfernt, da hellt sich ihr Gesicht auf, aber auch ihr Mund scheint nichts sagen zu wollen. Ich erwähne ihre andere Mütze, sie nickt bloß, schon treibt es uns weiter in entgegengesetzte Richtungen. Ich schaue sie an, falls ich ihr je nach der gestrigen Begegnung noch etwas sagen wollte, niemand hätte es in dem Moment bemerkt. Ich bin nur zu der Hoffnung in der Lage, dass sie nochmal den Mut aufbringt, handelt und ich reagieren kann, muss. Aber nein, ein letzter Blick, dann sind für sie die Verkaufsstände und für mich die Tür zum Ausgang wieder interessanter. Zumindest tun wir so. In mir sind zehn Liter heißer Schweiß ausgebrochen und ich kriege nicht mit, wie El, mich fünfzig Meter weiter auf eine Bank mitzieht, um ihren Kuchen zu essen. Sie fängt an, zu reden, aber mir fällt es schwer ihr zuzuhören. Es sind nur ein paar Dutzend Meter und eine Tür doch nachwievor fühle ich mich unbeweglich, weiß nicht, was ich eigentlich will oder habe Angst davor, auch so rüberzukommen oder so rüberzukommen, als ob ich unangemessen viel will. Sie fragt mich, ob alles gut sei. Ich nicke vehement und sage etwas über den Künstlermarkt, dass er nett gewesen sei, ich mir aber mehr erhofft hatte. Trauer steigt in mir auf. Wenig später setzen wir uns in Bewegung und die Werkstatt, der Moment an der Bar und dieser Mensch, der für ein paar Stunden hervorgestochen ist, in der Menge von Menschen dieser Welt, bleiben zurück.
(Sexueller Kontakt, Grenzüberschreitung)
Ich liege auf dem Rücken. Er beginnt seine Hand unter meinen Hosenbund zu schieben. Für einen Moment weiß ich nicht, ob es mich anturnt oder schockiert. Ich erstarre in Gedanken, während er weiter vordringt durch den Dschungel meiner Schamhaare. Sein Zeigefinger findet sein Ziel. Mein Bauch krampft. Er ist in mir drinnen und ich kann nichts machen. Nachvorneschielend erkenne ich nur seinen Hinterkopf und seine braunen, wuschigen Haare, die über meiner Brust schweben. Ich stelle mir vor, wie ich seine Haare packe und seinen Kopf mit einem Ruck nach hinten schleudere, wie ich ihn anschreie, was ihm einfällt, einfach so in mich einzudringen, wo wir uns gerade noch zärtlich gestreichelt hatten, wie ich ihn aus meinem Zimmer werfe, weil er mich nur verständnislos angucken würde. Er stimuliert meine Klitoris. In mir beginnt ein Hengst zu schnauben. Unfreiwillige Erregung vermischt sich ununterscheidbar mit Wut. Die Sarah, die neben mir liegt, greift über die Sarah, die immer noch wie ein Brett da liegt, in seine Hose und umschließt sein Glied mit aller Kraft. Sie beginnt seine Vorhaut gewaltsam hin- und herzurubbeln. Er würde binnen Sekunden kommen und ich würde seinen steifen Penis auf sein Gesicht richten. Meine Vorstellung zerplatzt. Er ist mit beiden Händen zu ihrem Unterleib gewandert und zieht nun an ihrer Kordhose. Urplötzlich greife ich nach meinem Hosenbund und halte ihn fest. Er stockt. Unsere Blicke treffen sich. „Was ist los?“ „Mir geht’s nicht gut.“ „Hast du deine Tage? Ist heute irgendwas passiert?“ „Ich… Nein, Nein, ich weiß nicht“ höre ich sie leise sagen. Ihr Blick geht an ihm vorbei oder durch ihn durch. In ihr steigen Tränen auf. Ihr Ausdruck wird kalt, als wollte sie die Tränen erfrieren bevor sie mich verraten können. Der Hengst scharrt leise mit den Hufen. In mir… ich merke, ich muss… „Kannst du mir ein Glas Wasser holen?“ „Hier, du kannst was aus meiner Flasche haben“ Blitzschnell hat er seine Trinkflasche in der Hand, die neben dem Bett stand. „Nein, ich möchte frisches Wasser.“ Er starrt mich kurz an, dann geht er von mir runter und in die Küche. Der Druck in meiner Brust sinkt um ein halbes Bar ab. Es reicht, um mir meine Hose wieder anzuziehen. Auf dem Boden liegt noch mein warmer roter Wollpullover. Er kommt wieder, als ich ihn gerade über mich streife. Ich versuche an seinem Gesicht zu erraten, ob er enttäuscht ist, aber er reicht mir nur das Wasser. „Hier.“ Ich trinke und trinke es ganz aus. „Vielleicht hattest du einfach Durst“ versucht er zu witzeln. „Nein“. Ich zwinge mich ihn anzuschauen. Eine Ewigkeit vergeht, während er mich fragend anschaut. Immer wieder öffne ich den Mund um einen Spalt, dann kommt es aus mir heraus: „Du hast mich überrumpelt. Ich war nicht bereit.“ Er murmelt ein „Sorry“ und setzt an sich zu erklären „Ich…“ doch ich unterbreche ihn: „Du kannst nicht einfach so, in das Gebiet einer anderen eindringen!“ Ich sehe vor meinem inneren Auge, wie sich sein Gesicht verfinstert: Ich kann, hast du doch gesehen! und schon beginnt er sich auf mich zu stürzen. Stattdessen höre ich ihn sagen: „Tut mir leid, ich dachte, also zwischen uns war voll die Energie, du hast mich geküsst, da dachte ich, du willst es.“ „Du hast gedacht, weil ich dich geküsst habe, kannst du jetzt mit mir machen, was du willst?“ „Nicht, was ich will.“ „Du bist mit deinen Fingern einfach in mich eingedrungen“ „Dein Körper hat gebebt, als ich unter deine Hose bin, du wolltest es doch!“ Ich gehe nicht darauf ein. Ich bin wütend und endlich auch laut: „Wenn dich jemand zum Tee in seine Wohnung einlädt, denkst du dann auch, dass du einfach in jedes Zimmer und an jeden Schrank gehen kannst? Denkst du das?“ Er schweigt. „Wurdest du so erzogen? Macht man das in deiner Kultur so?“ Sein zartes Gesicht ist von einem Hauch von Traurigkeit gezeichnet. Im warmen Kerzenlicht sieht er so schön aus. Wieder vermischt sich meine Wut mit meiner Erregung. „Ich werde beim nächsten Mal vorsichtiger sein, wenn wir uns berühren. Es war wirklich nicht meine Absicht, dir weh zu tun!“ Ich blinzele ihn langsam und akzeptierend an. In meinem Kopfkino werfe ich mich zurück, schnappe mir seinen Kragen vom T-Shirt und ziehe ihn zu mir heran. Mein warmer Atem würde mir von seinem nahen Gesicht entgegenkommen. Nimm mich! Nimm mich, wo du willst! Ich hasse mich für die Vorstellung.
Meine Mutter war in ihrem Zimmer am Schreibtisch. Es ist ein schönes Zimmer mit zwei großen Fenstern gen Süden, aber Bäume vor dem Haus sorgen dafür, dass es am Tag weder zu hell noch zu dunkel ist und nicht zu warm während des Sommers. Im Zimmer stehen eine Menge Holzmöbel und sogar eine Wand ist aus Holz. Sie hatte ein paar Wildblumen von dem Feld in der Nähe unserer Wohnung auf ihren Schreibtisch getan, aber ich habe sie in dem Moment nicht bemerkt. Ich war ein wenig am Zittern und lehnte mich vorsichtig in den Türrahmen. Ich war vierzehn. Ich hörte mich leise sagen: Kann ich mit dir reden? Sie schaute hoch von ihrem Schreibtisch während sie eine dieser langen Pausen machte, die ich nur Erwachsene machen sehe, und antwortete: Was ist los? Sie hielt ihren Blick auf mir, als ob sie wirklich wissen wollte, was ich zu sagen hatte und als ob sie mir wirklich das Gefühl geben wollte, dass sie da war für mich. Es war dennoch ziemlich schwer. Wir leben allein in einer mittelgroßen Wohnung, also musste ich keine Angst haben, dass jemand kommt und uns unterbricht. „Ich… ich wollte mit dir über etwas reden…“„Hast du das Gefühl, dass du im Türrahmen stehen bleiben willst, oder sollten wir uns lieber auf den Teppich setzen?“ Ich zögerte, weil es manchmal sehr intensiv sein konnte mit meiner Mutter zu reden. Sie hatte manchmal diesen therapeutartigen Vibe.„Ich glaube, ich möchte mich auf den Boden setzen, aber kannst du vielleicht bleiben, wo du bist?“„Na klar!“Sie folgte mir mit ihrem Kopf, während ich mich setzte. Sie schien sehr ruhig und sicher, als ob sie vorbereitet gewesen wäre auf diesen Moment, obwohl es auch für sie eine außergewöhnliche Situation sein musste. Ich bin noch nie zu einer so späten Uhrzeit zu ihrem Zimmer gekommen.Ich saß also auf dem Teppich mit dem angenehm warmroten Muster mit Blumen und komisch geformten Tieren and begann den Linien der komisch geformten Tiere mit dem Zeigefinger zu folgen. „Ich wollte mit dir über meine Sexualität reden.“ Ich hatte es gesagt. Ich schaute hoch und sah sie kurz angespannt werden und dann einen tiefen Atemzug nehmen und dann erschien ein leichtes Lächeln auf ihrem Gesicht. Aber keiner von uns sagte etwas. Ich glaube, sie erwartete, dass ich etwas mehr sage, aber ich konnte nicht.„Ich wollte /Willst du, dass ich /Ja, was wolltest du, dass ich sage?“„Willst du, dass ich dir erzähle, wie es für mich war, aufzuwachsen und jemanden zu suchen, mit dem ich über meinen Körper und Erfahrungen und Gefühle reden kann, als ich so alt war wie du?“„Ja, das will ich wissen!“„Darf ich mich zu dir setzen und willst du auch eine Tasse Tee?“Ich nickte und erst in diesem Moment nahm ich den dampfenden Tee auf ihrem Schreibtisch wahr und dann sah ich die Wildblumen.„Du hast Wildblumen gepflückt. Die ersten dieses Jahr.“ Ich lächelte. „Ich habe sie von hinter Bens Haus. So schön, oder!“ Sie nahm sie und stellte sie vor uns auf den Boden. Es war schön, die Wildblumen anzuschauen, während sie anfing, mir ihre Geschichte zu erzählen.
Das ist jetzt wichtig! Kannst du „Nein“ sagen? Sie schaute mich mit zusammen gekniffenen Augenbrauen an.Was meinst du, kannst du „Nein“ sagen?Also, kannst du mir gegenüber „Nein“ sagen? Ihr Blick hatte sich nicht von der Stelle bewegt.Eigentlich kann ich das schon, ja. Warum fragst du? Fragte ich etwas überrumpelt, ein bisschen neugierig war ich aber schon, was sollte das Ganze? Meine Frage überhörend, fuhr sie fort.Ich frag dich jetzt was und du sagst „Nein“, selbst wenn du eigentlich „Ja“ sagen willst, ok?Ja, sagte ich, zögerlich.Bist du sicher?Ja, sagte ich, diesmal schneller und lauter.Sie schaute sich um, wie eine Künstlerin, die etwas sucht. Willst du dich mit mir dort drüben auf die Bank setzen? Geradeso konnte ich die Worte unterdrücken und sagte mechanisch „Nein“.Das war kein „Nein“, du wolltest eigentlich Ja sagen! Funkelte sie mich an. Sie durchschaute mich sofort. Na, wenn du da so sicher bist, mach‘s besser, schoss ich etwas laut zurück.Aber gern, erwiderte sie, wobei sie ein breites Grinsen nur knapp auf ihrem Gesicht unterdrücken konnte. Sie sah mich direkt an. Ich spürte Druck und hielt meinen Kopf auf sie gerichtet.Lass erstmal ein paar Schritte gehen, und schon setzte ich mich in Bewegung.„Nein“ sagte sie bestimmt, aber nicht unfreundlich. Ich will noch ein bisschen hier auf der Stelle stehen. Warum? fragte ich unvermittelt. Die Stimmung drohte zu kippen.Ich will noch ein bisschen hier auf der Stelle stehen, wiederholte sie in gleicher Konzentration. Dann lockerte sie sich und fragte mit heller Stimme, Na wie fandest du das?Ja, das war ein klares „Nein“. Ich habe mich etwas zurückgesetzt gefühlt. Wie hast du das gemacht? Ja, daran übe ich noch. Also dass das Nein mich festigt, aber dich nicht angreift. Bei manchen ist es sehr schwierig, Sie schien kurz abzuschweifen, ehe sie ihren Blick wieder fest auf mich richtete. Ein „Nein“, braucht ein „Ja“ dahinter, woran du glaubst, sagte sie eindringlich. Am einfachsten ist es, den Stand, der gerade da ist, zu nehmen und fest zu bejahen. Das machen Menschen intuitiv, wenn sie sich streiten und sie aus Prinzip gegen den Vorschlag von jemand anderes sein müssen. Und du darfst nicht auf die Warum-Frage eingehen. Das schwächt nur deine Position. Wer etwas will, muss sich nicht rechtfertigen, sagte sie triumphierend.Willst du es nochmal probieren? grinste sie.Vielleicht später. Warum ist es dir so wichtig, dass ich dir gegenüber „Nein“ sagen kann? Weil wir sonst gegenseitig Beschützer:innen spielen, ohne jemals vereinbart zu haben, dass wir das spielen. Menschen, die einander beschützen, dürfen einander nicht widersprechen, der jeweils andere ist unbedingt zu unterstützen, ständig hat der eine Angst, der andere drohe mit seiner ganzen Existenz unterzugehen, so ist jedem seiner Wünsche nachzukommen, nur das gibt ihm den Schutz, zu sein. Der Beschützer sieht den anderen als so schwach an, dass er vor seinem inneren Auge bereits sieht, wie sein „Nein“ den anderen so sehr verletzt, dass er sich nicht mehr davon erholen wird. Mit meinem „Nein“ traue ich dir zu, kraftvoll genug bei dir selbst zu sein, um mit meiner Abweisung umzugehen. Ich will, dass du für dich in unserer Begegnung einstehen kannst, deshalb ist mir das so wichtig. Geht es dir nicht ähnlich? Unbemerkt hatten wir uns in Gang gesetzt. Ich nickte und ließ die Worte sinken.Die Verpackung eines Müsliriegels hatte sich in einem Busch verfangen. Er trug erste Knospen. Kannst du „Ja“ sagen, schoss es mir durch den Kopf. Kannst du mir gegenüber „Ja“ sagen, zu irgendetwas, dass du willst? Ich drehte meinen Kopf und hörte mich ein Gespräch ansetzen. Das ist jetzt wichtig!
Er steht vorne. Malt etwas an die Tafel. Die Mitschülerinnen und Mitschüler sind still. Der Lehrer wartet höflich. Die Stimmung ist gespannt. Nicht positiv, sondern angestrengt. Keiner wagt ihn zu unterbrechen. Selbst nach dreißig Minuten nicht. Endlich legt er die Kreide weg. Lehrer: „… Du hattest nur Augen für die Tafel!“
Mein Lehrer war klug. Sehr klug. Er zeigte auf die Tafel und wusste genau, dass er keinen Fehler gemacht hatte, sei es in Deutsch oder Mathematik. Er unterrichtete beides. Er erwartete von uns die gleiche Aufmerksamkeit und Disziplin wie von sich selbst. Schon ein leichtes Abweichen wurde vor den Augen aller markiert. Trug man eine Argumentation in einem Aufsatz vor, so lotete er jede Schwachstelle eiskalt aus. Bei einer Rechnung beschwerte er sich über jede Verkürzung. Mein Lehrer war nicht locker. Wenn ich heute eine Nachricht schreibe, habe ich Angst, etwas Wichtiges ausgelassen zu haben. Wenn ich heute eine Entscheidung treffe, habe ich Angst, sie nicht gut genug begründen zu können. Ich stelle mir vor, wie die andere Person mich auseinandernimmt, meine Tat auf Herz und Nieren prüft und nur noch die Leber übrigbleibt. Jeglicher Mensch, von dem ich beruflich etwas will, wird in meiner Vorstellung zu Stromberg. Eine Frau, die mich interessiert, wird in meinem Kopf zu Dolores Umbridge, wenn sie mir länger nicht antwortet. Und all das verdanke ich meinem übelwollenden Lehrer.
Es war kurz vor Mitternacht in einem kleinen Club. Pinkes Licht beleuchtete den Bar-Bereich, unter der Oberfläche brummte der Techno. Ich war mit zwei Freunden dort. Wir hatten bereits einen ziemlich guten Abend gehabt. Gutes Essen, ausgelassen gelacht, ich würde Freunde von Simon treffen, die ich unbedingt kennenlernen wollte. Spontan war sie auch gekommen, als sie hörte, dass wir in der Stadt waren. Nicht ohne mich vorher zu fragen, denn obwohl die anderen sie auch gut kannten, hatte ich ihr nicht Bescheid gegeben, sodass sie vermutete, dass ich sie vielleicht nicht dort haben wollte. In meiner überschwänglichen Stimmung beteuerte ich meine Freude, falls sie kommen würde. Zwei Stunden vorher hatte ich hingegen tatsächlich gehofft, sie die nächste Woche nicht wiederzusehen.Jetzt tanzten wir ausgelassen im Blauen Tiger in einem schicken Außenbezirk von Frankfurt. Morgen würde ich quer durchs Land zurückfahren. In diesemMoment war das alles egal. Die Musik dröhnte und als der künstliche Nebel sich verzog, sah ich, dass sie mich immer noch anblickte. Ich fühlte mich unwohl. Vor ein paar Wochen hatte sie mich Timothee getauft, weil meine Ästhetik sie an den Schauspieler erinnerte. Konnte man einem Menschen verbieten, einen anzuschauen?Ich entschied, wieder nach oben zu gehen. Die anderen folgten. Aus meinen Gedanken hatte sich der Nebel wider meiner Hoffnung nicht verzogen. Im Gegenteil verdichtete er sich. Sie saß nun neben mir und unterhielt sich mit Simon. Ich war froh, als Coco vorschlug einen Spaziergang zu machen. Wir waren so drüber. Ein kleines Podest vor dem Museum machten wir zur Theaterbühne. Es wurde Romeo und Julia und Nachts bei den Müllermanns aufgeführt. Am Ende saßen wir alle auf dem Podest und warfen uns Sätze, die wir aus dem Fernsehen oder von unseren eigenen schrägen Familien kannten, um die Ohren.Der Abend war mir längst entgleist. Warum hatte ich auch die Erwartung gehabt, neue Kontakte zu knüpfen? Als die Leuchtreklame vom Blauen Tiger vor uns erschien, verabschiedete sich Coco. Ich überlegte, ob ich mich anschließen sollte und entschied mich dagegen. Ich wollte dem Abend eine zweite Chance geben. Eine halbe Stunde später tanzten wir zu dritt eng aneinander. Ich weiß nicht, ob die aufkommende Lust ihm galt oder ihr? Von den anderen im Raum bekamen wir nichts mit. Sie und er schienen glücklich und in mir übertönte die berauschende Aufregung die Müdigkeit. Wir streichelten uns während der Beat sich mit dem bunten Lichtstrahler abwechselte. Irgendwann, ich weiß nicht, wie lange es dauerte, wurde er müde und wollte gehen. Sie und ich schlossen uns an. Sein Weg trennte sich von unserem während wir noch bis zum Bahnhof Zeit hatten uns zu entscheiden. Noch immer streichelten wir uns, doch wich ich ihren Augen aus. Sie waren so direkt auf ihr Ziel gerichtet. In mir sträubte es sich und doch war die Lust stark. Ihre Bahn fuhr ein. Mein Blick, der sich eine Entscheidung suchend um sie herum gewunden hatte, richtete sich funkelnd auf ihre offenen Augen, in mir sank etwas zusammen: Ich komme mit.
Hey Tal! Tal war bereits mehrere Schritte aus dem Vorlesungssaal hinausgegangen. Durch die Seitentür über die Wiese. Er trat auf den überdachten Gehweg Richtung Hauptplatz der Uni als er ihre Stimme hörte. Er blieb stehen. Sie kam gemächlich hinter ihm her. Kann ich mit dir laufen? Ja, erwiderte er überrascht. Ein Gespräch entfaltete sich. Gehst du zur Bib? Tal nickte. Ich komme mit.
Am Donnerstag in der Campusbar dröhnten die Pop-Bässe eines DJs, dessen Bezeichnung als DJ er wohl selbst nicht gewollt hätte. Es war laut und die Menschen hatten Spaß. Tal hatte Gefallen an Bierpong, einem Spiel mit Tischtennisbällen, die von der jeweils anderen Tischseite in Plastikbecher geworfen werden müssen. Energetisiert saß er neben einer Gruppe von Mitstudierenden. Er hatte sie seit Montag jeden Tag gesehen. Sie wirbelte ihn ganz schön durch. Attraktiv fand er sie auch. Bisher gefiel ihm ihr gemeinsames Spielchen, aber ihm missfiel, dass er ihr gegenüber gestern im Gespräch etwas zu intime Sachen gesagt hatte. So etwas wie, dass es ihn beschäftigte, endlich mal etwas mit jemandem zu haben, aber dass er auch den gesellschaftlichen Druck hasste, endlich mal etwas mit jemandem haben zu müssen.Sie kam auf ihn zu.Willst du rausgehen?Er zögerte kurz, ahnte, dass es aufregend werden könnte. Ja.Die beiden verabschiedeten sich von der Gruppe. Sie waren etwa zwanzig Meter gegangen, da fragte sie ihn:Was willst du machen? Sein Blick ging in die Ferne. Natürlich dachte er daran, aber alles ging so schnell. So richtig fühlte er den Wunsch, intim zu werden in dem Moment nicht. Dennoch knisterte etwas. Sein Blick ging in die Ferne in Richtung des Studiwohnheims. Was willst du machen? Er dachte an seine Gitarre. Drucksend begann er: Vielleicht … vielleicht könnten wir auf mein Zimmer gehen und ich spiel dir ein bisschen, ein bisschen vor auf der Gitarre? Sein Kopf nahm eine Wendung und schaute sie endlich wieder an. Das ist nicht, was du willst. Sag es!Sofort schaute er betreten weg. Natürlich dachte er nun auch wieder daran. Als würde sein Körper ihn verraten, stieg die Anziehung aber auch ein Gefühl von Widerwillen war da. Er wand sich unter ihrer Stimme. Sie ließ nicht locker. Sag es!Ich will, begann er. Ja?Ich hätte Lust…Als wäre ihr Gesicht magnetisch anders gepolt, rutschte sein Blick an ihr zu beiden Seiten ab. Aber er konnte nicht weg. Sie standen draußen neben der Bib. Plötzlich kamen die Worte.Ich will mit dir schlafen.Es war gesagt. Sie machte unmerklich einen Schritt zurück.Nein, ich will das nicht. Du bist perfekt. Du hast einen Plan im Leben, wo du hinwillst. Das ist toll. Du bist toll.Etwas war gekippt. Er war wie unter Strom, die Worte bauten ihn auf, gleichzeitig hatte sie Nein gesagt.Viele hier haben einen Crush auf dich.Ich würde das Interesse verlieren, wenn wir miteinander schlafen. Tal rührte sich nicht von der Stelle.Willst du mich küssen?Zögerlich nickte er. Dann sag es!Sie blickten sich tief in die Augen.Ich will dich küssen.Ihr Kopf kam näher.Sie küssten sich kurz auf den Mund. Etwas hatte sich verschlossen.Danach ging sie zurück zu den anderen.Die Spucke war weggeblieben.Tal war wieder allein.
Plötzlich stand er vor mir. Wir hatten uns ein paarmal auf Partys und in der Schule gesehen und etwas länger den Blick aufeinander gelassen, sein Lächeln war mir in Erinnerung geblieben, aber wir hatten nie wirklich miteinander geredet. Diesmal schien etwas anders. Die Party lichtete sich langsam, aus dem Nebenraum ertönten Bässe, Lichterketten erhellten den Flur, auf dem wir uns trafen. Aus ihm kam ein aufgeregtes „Kann ich dich kurz sprechen?“ „Ja“ erwiderte ich und nahm einen Schluck aus meinem Strohhalm, ohne den Blick von ihm zu nehmen. Sein Mund brauchte eine gefühlte Ewigkeit, um sich zu formen, dann platzte es aus ihm heraus: „Ich bin in dich verliebt!“ Schlagartig stieg mein Puls. Mir wurde warm im Gesicht, die Arme wurden schwächer. „Ok“ Er blickte mich weiter aufgeregt an. Langsam sammelten sich meine Gefühle. Das letzte Mal als ich so eine Situation erlebt hatte, hatte ich den Jungen mit der süßen Nase gefragt, ob wir mal zusammen ins Kino gehen wollen. Eigentlich hatte ich kein Interesse an ihm, aber ich hatte das Gefühl, etwas tun zu müssen. Mir war erst im Nachhinein klar geworden, dass er ja den Mut hätte aufbringen sollen, mich zu fragen. Wenn er gar nicht weiß, was er mich fragen will, dann gehts ihm wahrscheinlich nicht um mich, sondern um die Aufarbeitung der Beziehung zu seiner Mutter. Ich hatte letztens Freud angefangen zu lesen und fühlte mich nun ziemlich schlau. „Ich bin nicht in dich verliebt.“ Sein Gesicht schien sich kaum zu bewegen und zugleich unglaublich zu bewegen. „Willst du mich fragen, ob wir mal nen Kaffee trinken wollen? Wir kennen uns ja noch gar nicht.“ „Ja, klar, toll, stimmt, du hast recht, ich… ja, klar.“ Mit einem Gefühl, nicht aus meinen Fehlern zu lernen, löste sich die Situation. Als wären wir nun schon verabredet, lächelte er mich im Gehen an. Mein Gesicht kräuselte sich, aber er bekam nichts mit. Ich fühlte mich schlecht.