Ent-scheiden. Eine Abzweigung treffen. Einen Scheidepunkt kreieren. Einen Scheidepunkt, an dem das Leben hätte anders verlaufen können und doch nicht hätte anders verlaufen können. Denn, der Lauf entsteht erst durch die Entscheidung. Die Nicht-Entscheidung verläuft nicht. Sie bekommt keine Zeit, um zu laufen. Ent-scheiden. Ein Eindringen in die Zeit. Einer Zeit, die es nur gibt, weil es Raum, weil es die spezifische fühl-, seh-, greif- und hörbare Welt um mich gibt. Ent-scheiden. Ein Eindringen in die Welt. Der Glaube, in der Welt nichts zu bewirken, der Glaube, dass alles gleich sei, dass man keinen Unterschied macht, dass die Welt sinnlos ist, er ist fatal und er ist falsch. Faktisch greift jeder Mensch in den Lauf der Zeit ein und gestaltet Welt. Und keiner kann mehr als einen Teil des Laufs der Zeit bestimmen. Die Zeit ist keine fertig ausgemalte Karte, auf der wir uns entlangbewegen. Sie ist die Karte, die wir malen. Es ist müßig über verpasste Chancen zu trauern, weil es nur Chance, aber keine verpassten Chancen gibt. Weil es nur die Chance gibt, sich zu ent-scheiden im reißenden, mal gefühlvollen Strom der Zeit der Entscheidungen aller anderen um mich herum.
Hinterlasse einen Kommentar