Als wäre man nach Teil Eins vom zweiten Gang direkt in den sechsten gegangen. Das Eintauchen in die Welt und die Verwobenheit mit der real-fantastischen Musik von Hans Zimmer bleiben dabei auf der Strecke. Auch die Entscheidung, mit Feyd-Rautha einen Antagonisten, dessen Tiefe darin besteht, dass Gewalt ihn auf eine sinnlich-erotische Weise anturnt, in den Blick zu nehmen, dafür aber eben jene Ebene zwischen Paul und Chani denkbar kühl und knapp zu lassen, leuchtet mir nicht ein. So fehlt dem Film etwas die Wärme und Faszination des Vorgängers. Dennoch ist beeindruckend, wie der zweite Teil an den ersten anschließt und wir nun bereits traumangedeutete Szenen so oder so ähnlich erleben dürfen. Der Grundkonflikt von Paul, seinem religiösem, machtpolitischen Schicksal entfliehen und seinen eigenen Weg gehen zu wollen, findet in Dune Part Two seinen Höhepunkt, verliert dann aber rapide an Stärke. Auch hier wurde sich wie schon mit dem Antagonisten für einen Fokus auf Größe und Effekte gegenüber dem auf existenzielle, inner- und zwischenmenschliche Bewegungen entschieden. Wobei die Stärke von Dune darin lag, die Umgebung und die Musik als eigenen Teil in diesen erzählerischen Bewegungen Platz einzuräumen. Diejenigen, die eben diese bilderzählerische Stärke des Vorgängers über alles geschätzt haben, wird Dune Part Two wie den Beifahrer auf dem voll anfahrenden Motorrad, der sich gerade noch den Helm festgezurrt hat, hinten runterfallen lassen. Auf dem Boden der Tatsachen eines Action-Blockbusters gelandet, schaut er sich mit denen, die sowieso die ganze Zeit darauf gewartet haben, ein Spektakel an. Nur, dass die Einen einen rasanten Rausch genießen während die Anderen einen Schmerz dabei haben, der mit dem langen Sitzen eher zu als abnimmt. Vielleicht ist es ja genau so gewollt, um im dritten Teil die ersehnte Mitte zu finden.

STUDIO LEGENDARY PICTURES DREHBUCH DENIS VILLENEUVE, JON SPAIHTS REGIE DENIS VILLENEUVE JAHR 2024

Neueste Filmkritiken

Enzo

Der 16-Jährige Enzo bricht die Schule ab und beginnt eine Ausbildung zum Maurer. Nach der Arbeit springt er in den Pool des Hauses seiner wohlhabenden Eltern und zieht mit disziplinierten, immer gleichen Bewegungen seine Bahnen. Seine Eltern unterstützen ihn, halten ihre Sorgen und Kritik an Enzos Entscheidung aber nicht zurück. Ihnen wäre lieber, wenn er die Schule beendet und seinem künstlerischen Talent auf einer Privatschule nachgeht. Auf dem Bau lernt er den gutaussehenden Ukrainer Vlad und dessen Kumpel Miroslav kennen. Enzo fühlt sich auf eine jugendlich unerfahrene Weise in der sommerlichen Kulisse der Côte d’Azur zu Vlad hingezogen.

Marty Supreme

Josh Safdie hat etwas verstanden, was eigentlich auf der Hand liegt, aber doch viele Geschichtenerzählende zu übersehen scheinen: Der Charakter eines Charakters liegt nicht nur in seinem Charakter, sondern genauso in seiner Umgebung. Klingt paradox? Ist es aber nicht. Ja, Marty Mauser ist ein waschechter Egoist, ja, er hält sich für den besten Tischtennisspieler der Welt und ja, er ist verdammt ungeduldig. Aber die Menschen im New York der 50er sind es auch. Sein Onkel, der Marty ohne Rücksicht zum Geschäftsführer seines Schuhladens machen will. Seine Freundin, Nicht-Freundin, die abgesehen davon, dass sich Marty ihr gegenüber die meiste Zeit wie ein beschissener Freund verhält, auch eine Ungeduld auf Marty überträgt.

Chronicles from the Siege

Die Sprache des Kinos ist eher das Zeigen als das Sprechen. Und es ist ein Statement von Wim Wenders und der Jury der Berlinale, die wegen ihrer Unpolitikalität kritisiert wurden, dass der Goldene Bär und der Preis für den besten Debütfilm an Filme gingen, die die Ungerechtigkeit der Unterdrückung auf so kunstvolle, detaillierte und humanistische Weise zeigen. Während sich „Yellow Letters“ von Ilker Çatak auf die privilegierte Welt konzentriert, zeigt „Chronicles from the Siege“ von Abdallah Al-Khatib die rohe Brutalität des Überlebens in Palästina.

Gelbe Briefe

Im neuen Film von Ilker Catak geht es um ein erfolgreiches Künstlerpaar in der Türkei. Aziz schreibt Theaterstücke und ist Professor. Derya ist Schauspielerin am Nationaltheater in Ankara und ist oft die Hauptdarstellerin in seinen Stücken. Den Film „Gelbe Briefe“ zeichnet aus, dass er sich über viele Seiten seinem Thema nähert, über kleine Handlungen, über Dialoge oder mal über deutliche Statements geschickt eingewoben durch die Berufe der beiden Hauptfiguren, Schreiben und Sprechen. So verweigert Derya in der Eingangsszene als erste kleine Handlung einem hohen Staatsmann nach der Premiere eines politischen Theaterstücks das gemeinsame Foto. Das Thema nimmt an Fahrt auf, als die beiden Gelbe Briefe von der Universität und dem Theater bekommen mit der ironischen Nachricht: „Wir akzeptieren ihre Kündigung“.