Albert Camus
Beziehungen müssen nichts. Sie sind immer schon. Beziehungen sind das, was entsteht, wenn zwei Menschen mit einem Gummiband verbunden sind und versuchen zu laufen.
Ich habe Angst. Eine kühle Wohnsiedlung. Spielende Kinder. Ein Horrorfilm. Die Entdeckung der Kraft, Leben zu lassen und zu zerstören. Eine Geschichte über Einsamkeit, den verzweifelten Wunsch, Wesen zu finden, mit denen man seine Erlebnisse teilen kann, Enttäuschung, Konflikt und Angst.
Der Film „Titane“ geht unter die Haut. Wer emotional und bildgewaltig auf festen Füßen steht, kann mit diesem Film auf eine gefühlvolle Reise gehen, die in dieser Form einzigartig ist. „Titane“ veranschaulicht den seelischen Kampf eines Menschen, die sich selbst und ihre eigene Leiblichkeit – allen voran ausgedrückt durch die eigene Sexualität – nicht annehmen kann, und das in einer bedrückenden Konsequenz.
Ein Mann sitzt in einer Notrufzentrale in Kopenhagen und telefoniert. Der dänische Film The Guilty (2018) ist das Argument für alle, die schon immer gefühlt haben, dass es bei einem Film nicht zuerst um die Bilder geht.
Die jungen Menschen heute sind verloren. Alles ist für sie möglich.
Die Angst sitzt auf dem Rücken der Veränderung. Rückwärts gewandt fest im Sattel. Ledernde Zügel verbinden die Angst mit dem stürmischen Ross.
Ich sitze und starre auf die weiße Wand vor mir. Leerer Blick. Gedanken rattern. Gesprächsfetzen fangen meine Aufmerksamkeit für kurze Augenblicke. Ich will, aber ich kann nicht. Was will ich? Anfangen.
Menschsein ist die tiefste Freiheit, aber Freiheit ist immer möglich. Die Schachspielerin ist frei, ihren nächsten Zug zu ziehen und der Klavierspieler ist frei, sich mit 88 Tasten, i.d.R. benutzt er sogar deutlich weniger, auszudrücken. Und auch die Lehrerin kann innerhalb der definierten Rolle der Lehrerin ihre Freiheit finden. Menschsein ist die tiefste Freiheit, weil ich hinter sie nicht zurück kann.
Menschsein ist die tiefste Freiheit, aber Freiheit ist immer möglich. Die Schachspielerin ist frei, ihren nächsten Zug zu ziehen und der Klavierspieler ist frei, sich mit 88 Tasten, i.d.R. benutzt er sogar deutlich weniger, auszudrücken. Und auch die Lehrerin kann innerhalb der definierten Rolle der Lehrerin ihre Freiheit finden. Menschsein ist die tiefste Freiheit, weil ich hinter sie nicht zurück kann. Hinter die Lehrerin kann ich zurück. Es ist der Mensch, der in dem Gewusel aus schwarzen und weißen und noch ganz andersfarbigen Tasten, die da Berufe, Hobbies, Beziehungspartnerinnen usw. heißen, gewählt hat. Aber der Mensch selbst wurde nicht gewählt oder wir haben oder konnten es nicht mitbekommen. Menschsein ist die tiefste Freiheit, weil es die tiefste Freiheit ist, die wir mitbekommen können.
Und nun zum Verhältnis. Die tiefste Freiheit auszuhalten ist anstrengend. Es gibt kein Grund sie zum höchsten Maß zu erheben. Sie ist immer da, aber sie soll nicht immer sein. Manchmal ist es schön, einer weniger weiten Freiheit nachzugehen. Mensch bin ich sowieso.
Rollen erfüllen bestimmte Bedürfnisse. Rollen auflösen zu wollen, würde bedeuten dem Menschen selbst, alle Aufgaben anzuhängen. Sodann käme in ein paar Jahren die soziologische Analyse des überforderten Subjekts. Wir dürfen uns reduzieren in der Gewissheit, dass wir immer ganz sind.
Jannik Howind, Witten Juli 2022