Ein Film, den ich allen Menschen wärmstens an‘s Herz legen kann. Ich habe gelacht, ich habe die Luft angehalten, ich habe mich fremd geschämt, ich war stolz und ja, ich habe auch etwas vermisst. „Ach diese Lücke“ beginnt damit, dass der gerade der Schule entwachsene Joachim seinen einen Bruder Phillip durch einen Autounfall verliert. Sie waren sich sehr nah oder wollten es noch werden. So ganz war das für mich nicht verständlich. Weil das Leben weitergehen muss, entscheidet sich Joachim aus einer Intuition heraus, eine Schauspielausbildung in München anzufangen, der Stadt seiner Großeltern, zu denen er ein gutes Verhältnis hat. Diese sind um nicht zu sagen, speziell und haben ihre ganz eigenen Rituale. Durch wiederkehrende Einstellungen entstand auch für mich als Zuschauer ein angenehmer Rhythmus und eine Vertrautheit mit ihnen. Senta Berger und Michael Wittenborn spielen dieses durchaus vielschichtige Paar verzückend und fesselnd. Den tieferen inhaltlichen Kern von „Ach, diese Lücke“ zu finden, gestaltete sich jedoch schwierig. Ist es der Schmerz über den Tod seines Bruders, weil er Joachims Schauspielwunsch motiviert? Ist es die Frage, ob Joachim die Probezeit besteht und aus ihm ein guter Schauspieler wird? Oder ist es eigentlich die Beziehung von Joachim zu seinen Großeltern? Er liebt es, sie zu beobachten und beginnt in der Nacht vor seiner Aufnahmeprüfung, über sie zu schreiben. Ich kenne den autobiographischen Roman von Joachim Meyerhoff nicht, aber ganz offensichtlich spielt das Schreiben für ihn wie auch im Film angedeutet eine wichtige, ja existenzielle Rolle. Mich lässt das Gefühl nicht los, dass in dieser Beziehung zum Schreiben der tiefere inhaltliche Kern des Filmes liegt. Simon Verhoeven, der Regisseur, oder vor ihm schon Joachim Meyerhoff, der Autor der Buchvorlage, - ich weiß es nicht - entscheidet sich, diese Verbindung zum Schreiben nur flüchtig hinter der Leinwand mit ihren mal skurrilen, mal emotionalen Szenen hervorblitzen zu lassen. Bruno Alexander spielt die schlecht geschauspielerten Schauspielszenen im guten Sinne schlecht und die Höhen- und Tiefflüge mitreißend. Und die inhaltliche Entwicklung geht schon dahin, dass ich verstehe, warum der Film so heißt wie er heißt. Aber all das Gespielte auf der Leinwand, kann für mich nicht darüber hinwegtäuschen, dass da noch eine tiefere Schicht dahinterliegt, die sich der Film nicht traut anzuschauen. Vielleicht, weil das gelungene Verhältnis aus Tragik und Komödie durch die direkte Thematisierung der existenziellen Ebene aus dem Gleichgewicht gebracht worden wäre. Einen großartigen Film hätte für mich ausgezeichnet, diese Aufgabe zu meistern. So klafft an dieser Stelle im neuen Film von Simon Verhoeven zwar keine entsetzliche, aber doch eine Lücke.
STUDIO u.a. Warner Bros. Germany DREHBUCH SIMON VERHOEVEN, LARS HUBRICH REGIE SIMON VERHOEVEN JAHR 2026
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Titane
Der Film „Titane“ geht unter die Haut. Wer emotional und bildgewaltig auf festen Füßen steht, kann mit diesem Film auf eine gefühlvolle Reise gehen, die in dieser Form einzigartig ist. „Titane“ veranschaulicht den seelischen Kampf eines Menschen, die sich selbst und ihre eigene Leiblichkeit – allen voran ausgedrückt durch die eigene Sexualität – nicht annehmen kann, und das in einer bedrückenden Konsequenz.
The Guilty
Ein Mann sitzt in einer Notrufzentrale in Kopenhagen und telefoniert. Der dänische Film The Guilty (2018) ist das Argument für alle, die schon immer gefühlt haben, dass es bei einem Film nicht zuerst um die Bilder geht.
The Terminal
„The Terminal“ ist einer dieser Filme, die ohne große Effekte auskommen und quasi nur an ei-nem Ort spielen. In diesem Fall das Terminal des JFK Flughafens in New York. Die Hauptfi-gur Viktor Navorski – grandios gespielt von Tom Hanks – bleibt dort stecken, weil sich sein Herkunftsland während seiner Flugreise durch einen eskalierten Bürgerkrieg praktisch in Luft aufgelöst hat, zumindest rechtlich. Seine nun ungültigen Papiere erlauben dem Flughafenmana-ger nicht, ihn einreisen zu lassen, aber genauso wenig, ihn wieder ausreisen zu lassen.
No Time To Die
Irgendwie werde ich mit dem Film nicht warm. Die Action wirkt oft austauschbar, selbst wenn die Setgestaltung und die Orte wunderbar aussehen. Wenn ich den Film in einem Satz beschreiben müsste, dann wäre es wohl dieser: "No Time to Die" testet Grenzen aus. Er testet die Grenzen dessen aus, was Bond ist oder eben nicht ist. Über das Ergebnis dieser Strapazierung des Gewohnten wird natürlich gestritten werden. Für mich war es die Erkenntnis, dass „No Time to Die“ oft nicht Bond ist.
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