Vielleicht ist es das, was Wim Wenders sagen meinte: Filme sollten ihre eigene Sprache sprechen und nicht gezwungen werden, die Sprache der Politik zu verwenden. Die Sprache des Kinos ist eher das Zeigen als das Sprechen. Und es ist ein Statement von Wim Wenders und der Jury der Berlinale, die wegen ihrer Unpolitikalität kritisiert wurden, dass der Goldene Bär und der Preis für den besten Debütfilm an Filme gingen, die die Ungerechtigkeit der Unterdrückung auf so kunstvolle, detaillierte und humanistische Weise zeigen. Während sich „Yellow Letters“ von Ilker Çatak auf die privilegierte Welt konzentriert, zeigt „Chronicles from the Siege“ von Abdallah Al-Khatib die rohe Brutalität des Überlebens in Palästina. Ein Kampf nicht nur um Nahrung, Wasser oder Unterkunft, sondern auch um das, was das Leben lebenswert macht. Gleich zu Beginn gibt es eine brillante Darstellung eines Konflikts zwischen einer Gruppe von Menschen, die in einer Videothek festsitzen und sich fragen, ob sie die Videokassetten verbrennen sollen, um sich in der Nacht warm zu halten, oder ob dies eine Grenze überschreitet. In einer anderen Szene wird ein Paar mehrmals beim Versuch, Sex zu haben, unterbrochen. Es gibt einen absurden Humor, der Erleichterung verschafft, ohne die Ernsthaftigkeit des Films zu beeinträchtigen. Dieser Humor macht die dargestellten Figuren so sympathisch und diese Szenen verleihen dem Film eine universelle Note. Diese universelle Note wird durch die Tatsache unterstrichen, dass einige Szenen im Winter, andere im Sommer spielen. Einige Figuren tauchen wieder auf, andere nicht. Der genaue Zeitpunkt und Ort spielen keine so große Rolle, wichtig sind vielmehr die Situationen, in denen sich die Figuren wiederfinden. Der Kameramann Talal Khoury schafft Bilder, die diesen Situationen so nahe kommen, so nah an den Trümmern, dem Schmerz und dem täglichen Überlebenskampf während einer Belagerung. Das allein könnte schon ausreichen, um das Publikum tief zu bewegen. Aber der Regisseur und Drehbuchautor Abdallah Al-Khatib strebt nach viel mehr. „Chronicles from the Siege“ wird auf brillante Weise erzählt. Während man erwarten könnte, dass die Geschichte durch eine Art Tagebuch zusammengehalten wird, wird sie tatsächlich durch die Figur Arafat zusammengehalten, dem früher die Videothek gehörte. Er taucht in mehreren wichtigen Momenten auf und hat am Ende der 98 Minuten nur zwei Worte gesagt. Zwei Worte, die lebensrettend sind und dem Film im letzten Akt einen emotionalen Schlag verleihen, der wie ein stummer Schrei der vom Aussterben bedrohten Wale im Ozean weit über die Leinwand hinausgeht. Dieser emotionale Schlag wird nur noch von der letzten Szene übertroffen, die uns an die bittere Wahrheit jeder Belagerung erinnert. Die Zeit läuft ab, und wir schauen zu.
Ein würdiger Gewinner des Preises für den besten Debütfilm bei der Berlinale 2026. Möge er denen helfen, die helfen können, den Willen zu finden, zu helfen.
STUDIO u.a. ISSAAD FILM PRODUCTIONS DREHBUCH ABDALLAH AL-KHATIB REGIE ABDALLAH AL-KHATIB JAHR 2026
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Triangle of Sadness
Eine Gruppe junger Männer mit freiem Oberkörper drängt sich in einen Raum. Sie warten auf ein Casting für männliche Models. Ein etabliertes Model fordert die Wartenden heraus. Die Hauptfigur Carl soll ihren schmollenden Blick aufsetzen. „Perfect. That’s Chanel, Boss. We look down on you. Now smile“. Carl lacht und zeigt seine Zähne. “H&M!” ruft die andere Person lachend. Der Geist kontrolliert den Körper.
The Innocents
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Everything, Everywhere All at Once
Evelyn sitzt in einem vollgestellten Raum vor einem Stapel von Rechnungsbelegen für die Abgabe der Steuererklärung. Nebenan drehen sich unzählige Waschmaschinen. Ausdruck des täglichen Geschäfts eines Waschsalons. Dazu, der gerade zurückgekehrte senile Vater, merklich Teil einer anderen Generation, die lesbische Tochter Joy, die ihrem Großvater ihre Freundin vorstellen will und der liebevolle Ehemann Waymond, der erfolglos ein wichtiges Gespräch mit ihr sucht. Bereits in diesen ersten zwei Minuten reißt der Film Themen und eine Beziehungsdynamik an, deren Reflektion für diesen Text zu viel wäre. Überforderung. Das ist der Ausgangspunkt dieser Kritik nach einem Filmerlebnis, das im positiven Sinne zu viel war.
Good Time
Mein Herz rast. Was war das denn gerade? Wie ein Kick in die Magengrube nur um dann doch noch auf einer sanften, melancholischen Note zu landen. Mitreißend, packend und auch berührend ist Good Time ein Film der amerikanischen Regie-Brüder Joshua und Benjamin Safdie.
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