Als wäre man nach Teil Eins vom zweiten Gang direkt in den sechsten gegangen. Das Eintauchen in die Welt und die Verwobenheit mit der real-fantastischen Musik von Hans Zimmer bleiben dabei auf der Strecke. Auch die Entscheidung, mit Feyd-Rautha einen Antagonisten, dessen Tiefe darin besteht, dass Gewalt ihn auf eine sinnlich-erotische Weise anturnt, in den Blick zu nehmen, dafür aber eben jene Ebene zwischen Paul und Chani denkbar kühl und knapp zu lassen, leuchtet mir nicht ein. So fehlt dem Film etwas die Wärme und Faszination des Vorgängers. Dennoch ist beeindruckend, wie der zweite Teil an den ersten anschließt und wir nun bereits traumangedeutete Szenen so oder so ähnlich erleben dürfen. Der Grundkonflikt von Paul, seinem religiösem, machtpolitischen Schicksal entfliehen und seinen eigenen Weg gehen zu wollen, findet in Dune Part Two seinen Höhepunkt, verliert dann aber rapide an Stärke. Auch hier wurde sich wie schon mit dem Antagonisten für einen Fokus auf Größe und Effekte gegenüber dem auf existenzielle, inner- und zwischenmenschliche Bewegungen entschieden. Wobei die Stärke von Dune darin lag, die Umgebung und die Musik als eigenen Teil in diesen erzählerischen Bewegungen Platz einzuräumen. Diejenigen, die eben diese bilderzählerische Stärke des Vorgängers über alles geschätzt haben, wird Dune Part Two wie den Beifahrer auf dem voll anfahrenden Motorrad, der sich gerade noch den Helm festgezurrt hat, hinten runterfallen lassen. Auf dem Boden der Tatsachen eines Action-Blockbusters gelandet, schaut er sich mit denen, die sowieso die ganze Zeit darauf gewartet haben, ein Spektakel an. Nur, dass die Einen einen rasanten Rausch genießen während die Anderen einen Schmerz dabei haben, der mit dem langen Sitzen eher zu als abnimmt. Vielleicht ist es ja genau so gewollt, um im dritten Teil die ersehnte Mitte zu finden.

STUDIO LEGENDARY PICTURES DREHBUCH DENIS VILLENEUVE, JON SPAIHTS REGIE DENIS VILLENEUVE JAHR 2024

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