Wenn ich für den neuen Film von Paul Thomas Anderson einen tieferen Sinn finden müsste, dann wäre es wohl der, dass Gewaltausbrüche auf einem sexuellen Verlangen beruhen. Einem Verlangen, dass ideologische Brandmauern zu überwinden vermag, was es natürlich nicht darf. Und dennoch ist da diese Verbindung, weil die Art und Weise, wie radikale Menschen für ihre Prinzipien brennen, am Ende sehr ähnlich, erbarmungslos und erregt ist. Der Film beginnt mit dieser großen Spannung als die linke Revolutionsgruppe French 75 eine Reihe von Aktionen umsetzt, unter anderem die Befreiung von ausländischen Inhaftierten. Ihre Anführerin Perfidia hat dabei einen Moment mit dem Col. Lockjaw der militärischen Ausländerbehörde, der entgegen seinem Namen mit faszinierender Kiefermimik von Sean Penn gespielt wird. Ihren eigentlichen Partner in der French 75 und im Liebesleben Bob spielt Leonardo DiCaprio. Bald darauf bekommen sie ein Kind. Wenig später wird sie geschnappt und die meisten der Truppe auch. Bob taucht mit ihrer Tochter unter. 15 Jahre später beginnt Col. Lockjaw die Jagd auf Bob und seine Tochter Willa, weil er vermutet, dass Willa sein Kind sein könnte. Dies wäre für ihn fatal, weil er im Begriff ist, in den Christmas Adventurer Club, eine ultrarechte, weiße Vereinigung von Männern, aufgenommen zu werden. Bob hat mittlerweile mit seinem Wohnzimmermantel mehr mit The big Lebowski gemein als mit einem trainierten Terroristen und es ist fast ein Wunder, dass er Lockjaw immer wieder entkommen kann. Allerdings wird er von seiner Tochter getrennt. Es entspinnt sich eine Tortour, die insbesondere durch den auf diese Weise wohl nur von DiCaprio verkörperbaren Bob unfreiwillig komisch und an anderer Stelle sehr ernst wird und noch ernster wäre, wenn der Film etwas länger auf diesen Szenen von Straßengewalt oder dem Überlebenskampf migrantischer Familien gegen die militärische Ausländerbehörde bleiben würde. Die Musik von Jonny Greenwood fängt die ernst-komischen Töne des Films mit mal hämmernden Klavierklängen, mal seichter Gitarre und einer leicht melancholischen Titelmelodie ein. Nebenfiguren, wie der Sensei oder ein Kopfgeldjäger gleichen wie schon im Vorgängerfilm von PTA Karikaturen und sind dann doch Figuren, hinter denen sich ganze Welten verbergen, die nur angedeutet werden. Diese Welten und Eigenheiten der Figuren sorgen für viele überraschende Wendungen bis in den Höhepunkt hinein. So vergehen abermals zweieinhalb Stunden wie im Flug. Am Ende wollte ich mehr von den Figuren sehen, die Szenen kreiert haben, die ich mir auch noch zehn Mal anschauen könnte, und das, obwohl der tiefere Sinn aus erregter Gewalt mich kaum mehr hätte abstoßen können. Abschließend will ich Chase Infiniti hervorheben, die natürlich keine 16 mehr ist, aber die die wachsame und erwachsene Tochter eines paranoiden Ruhestandrevolutionärs mit einer Wucht spielt, die einem Sean Penn und DiCaprio gewachsen war.

STUDIO u.a. WARNER BROS. PICTURES DREHBUCH PAUL THOMAS ANDERSON REGIE PAUL THOMAS ANDERSON JAHR 2025

Neueste Filmkritiken

Licorice Pizza

"Licorice Pizza". Freunden diesen Titel zu erklären, ist gar nicht so einfach. Vielleicht wurde er gewählt, weil sich dieser Film wie eine gute Pizza mit vielen, wunderbaren und liebevoll angerichteten Belagen anfühlt, die am Ende dennoch so rund ist, wie eine Pizza eben sein sollte.

One battle after another

Wenn ich für den neuen Film von Paul Thomas Anderson einen tieferen Sinn finden müsste, dann wäre es wohl der, dass Gewaltausbrüche auf einem sexuellen Verlangen beruhen. Einem Verlangen, dass ideologische Brandmauern zu überwinden vermag, was es natürlich nicht darf. Und dennoch ist da diese Verbindung, weil die Art und Weise, wie radikale Menschen für ihre Prinzipien brennen, am Ende sehr ähnlich, erbarmungslos und erregt ist.

Das Lehrerzimmer

Zug um Zug schaukeln sich die Ereignisse hoch. Carla Novak, hochmotivierte Mathe- und Sportlehrerin, kommt an ein Gymnasium, auf dem seit einer Reihe von Diebstählen eine „Null Toleranz Politik“ herrscht. In ihrem Eifer und Wunsch, die Schüler:innen zu schützen, fasst sie schnell einen handfesten Verdacht und geht in die Konfrontation. Doch was als Lösungsversuch für den Schulfrieden gedacht war, entpuppt sich als Beginn eines psychologischen Schachkampfes.

F1

Es ist halb zwölf nachts. Noch im Treppenhaus des Kinos überhole ich die Freundin, mit der ich in „F1“ war. Auf der Straße überholen wir Passanten, um den Zug zu erwischen. Im Zug stellen wir fest, dass wir eine Minute Umsteigezeit haben und rennen, sobald die Türen sich geöffnet haben. Der Film F1 will beschleunigen und ein Rennfieber auslösen. Bei uns hat er das geschafft.