Ich habe Angst. Eine kühle Wohnsiedlung. Spielende Kinder. Ein Horrorfilm. Die Entdeckung der Kraft, Leben zu lassen und zu zerstören. Eine Geschichte über Einsamkeit, den verzweifelten Wunsch, Wesen zu finden, mit denen man seine Erlebnisse teilen kann, Enttäuschung, Konflikt und Angst. Die große Angst, sich eingestehen zu müssen, dass man sich ändert, ändern muss, erwachsen wird. Aber diese Schritte müssen einem gelassen werden. Es gibt Schicksale, denen ist es vergönnt, Vertrauen in sich und die Welt zu fassen. Sie können die notwendigen Schritte nicht gehen. Zu tief sitzt der Schmerz. Sie sind eigen und wecken die Neugier, derjenigen, die vom Anderen fasziniert sind. Doch es ist eine Zerreißprobe den Kontakt zwischen Welten aufrechtzuerhalten. Dabei lernt man, Hilfe anzunehmen, und dass man nicht allein ist. Lernt man es nicht, wartet die Angst hinter der nächsten Ecke. Mit großen dunklen Augen, die Realität verzerrend. The Innocents hat mir Angst gemacht. Schleichend, mich in seinen Bann ziehend. Meine Seele wuchtig gepackt. Die Schrecken, die wir uns antun können, weil sich unsere Wahrnehmung vernebelt. Und das Glück, das entstehen kann, wenn wir den Stummen zuhören und den Blinden die bewegten Blätter im Wald zeigen. Die Angst legt sich für einen Moment. Im Grunde sind wir alle unschuldig.

STUDIO u.a. MER FILM DREHBUCH ESKIL VOGT REGIE ESKIL VOGT JAHR 2021

Neueste Filmkritiken

Enzo

Der 16-Jährige Enzo bricht die Schule ab und beginnt eine Ausbildung zum Maurer. Nach der Arbeit springt er in den Pool des Hauses seiner wohlhabenden Eltern und zieht mit disziplinierten, immer gleichen Bewegungen seine Bahnen. Seine Eltern unterstützen ihn, halten ihre Sorgen und Kritik an Enzos Entscheidung aber nicht zurück. Ihnen wäre lieber, wenn er die Schule beendet und seinem künstlerischen Talent auf einer Privatschule nachgeht. Auf dem Bau lernt er den gutaussehenden Ukrainer Vlad und dessen Kumpel Miroslav kennen. Enzo fühlt sich auf eine jugendlich unerfahrene Weise in der sommerlichen Kulisse der Côte d’Azur zu Vlad hingezogen.

Marty Supreme

Josh Safdie hat etwas verstanden, was eigentlich auf der Hand liegt, aber doch viele Geschichtenerzählende zu übersehen scheinen: Der Charakter eines Charakters liegt nicht nur in seinem Charakter, sondern genauso in seiner Umgebung. Klingt paradox? Ist es aber nicht. Ja, Marty Mauser ist ein waschechter Egoist, ja, er hält sich für den besten Tischtennisspieler der Welt und ja, er ist verdammt ungeduldig. Aber die Menschen im New York der 50er sind es auch. Sein Onkel, der Marty ohne Rücksicht zum Geschäftsführer seines Schuhladens machen will. Seine Freundin, Nicht-Freundin, die abgesehen davon, dass sich Marty ihr gegenüber die meiste Zeit wie ein beschissener Freund verhält, auch eine Ungeduld auf Marty überträgt.

Chronicles from the Siege

Die Sprache des Kinos ist eher das Zeigen als das Sprechen. Und es ist ein Statement von Wim Wenders und der Jury der Berlinale, die wegen ihrer Unpolitikalität kritisiert wurden, dass der Goldene Bär und der Preis für den besten Debütfilm an Filme gingen, die die Ungerechtigkeit der Unterdrückung auf so kunstvolle, detaillierte und humanistische Weise zeigen. Während sich „Yellow Letters“ von Ilker Çatak auf die privilegierte Welt konzentriert, zeigt „Chronicles from the Siege“ von Abdallah Al-Khatib die rohe Brutalität des Überlebens in Palästina.

Gelbe Briefe

Im neuen Film von Ilker Catak geht es um ein erfolgreiches Künstlerpaar in der Türkei. Aziz schreibt Theaterstücke und ist Professor. Derya ist Schauspielerin am Nationaltheater in Ankara und ist oft die Hauptdarstellerin in seinen Stücken. Den Film „Gelbe Briefe“ zeichnet aus, dass er sich über viele Seiten seinem Thema nähert, über kleine Handlungen, über Dialoge oder mal über deutliche Statements geschickt eingewoben durch die Berufe der beiden Hauptfiguren, Schreiben und Sprechen. So verweigert Derya in der Eingangsszene als erste kleine Handlung einem hohen Staatsmann nach der Premiere eines politischen Theaterstücks das gemeinsame Foto. Das Thema nimmt an Fahrt auf, als die beiden Gelbe Briefe von der Universität und dem Theater bekommen mit der ironischen Nachricht: „Wir akzeptieren ihre Kündigung“.