Ich könnte Sandra Hüllers Stimme einen ganzen Film lang nur am Telefon zuhören. Vaterland beginnt, indem wir ihren Bruder Klaus Mann mit Sandra Hüller als Erika Mann beim Telefonieren sehen. Glaubst du an irgendetwas? fragt er sie. Sie bittet ihn zur Verleihung des Goethe-Preises für den Vater Thomas Mann nach Frankfurt zu kommen. Wenig später steht die gleiche Verleihung in Weimar an, weil auch die Sowjetunion Thomas Mann für sich auszeichnen will. Den größten zeitgenössischen deutschen Literaten im Nachkriegsdeutschland. Ein Mann, der die letzten 13 Jahre in den USA ein zuhause gefunden hat. Zurück in Deutschland spricht er von Heimat und scheint doch über dem Land zu schweben auf der Suche nach einer einstigen, kulturellen Identität. Wie die Kamera, die immer ein Stück über den Augen der Menschen positioniert ist, sodass auch wir als Zuschauenden das Gefühl haben, nicht ganz dazuzugehören. Im Verlaufe der kurzen Episode der beiden Preisverleihungen macht der Regisseur Themen des Umgangs mit der Nationalschuld, mit Besatzung durch zwei vollkommen unterschiedliche Kulturen aber auch das Thema der innerfamiliären Auseinandersetzungen der Manns auf. Im Großen geht es um Identität und Heimat, im Kleinen um bloße Menschlichkeit. Beide Seiten sind natürlich miteinander verwoben. Allerdings hätte ich gerne mehr von Erika Mann. Bei ihr blitzt immer wieder eine Klarheit in ihrem Urteil und Erfassen dieser für die emigrierte Familie neuen alten Welt auf. Leider dreht sich der Film mehr um den bekannten Vater und seine Auftritte. Auftritte, die von weniger Klarheit sind. So erahnte ich viele große Fragen und auch manche Antworten in einem Film, der letztlich an seiner eigenen Rezeptur erkrankt. Er schwebt dahin mit feinen Beobachtungen, unglaublicher Kulisse und sicherer Inszenierung, schaffte es aber nur schwer, zu mir durchzudringen. Ab und an zerbricht der Nebel durch die Emotionen Erikas. Wenn sie weniger auf diese Rolle reduziert worden und noch mehr mit ihrem eigenen Blick und damit, woran sie glaubt, erschienen wäre, so hätte sich der Nebel vermutlich legen und der Film mehr Kraft entfalten können.

STUDIO u.a. MUBI DREHBUCH PAWEL PAWLIKOWSKI, HENDRIK HANDLOEGTEN REGIE PAWEL PAWLIKOWSKI JAHR 2026

Neueste Filmkritiken

The Terminal

„The Terminal“ ist einer dieser Filme, die ohne große Effekte auskommen und quasi nur an ei-nem Ort spielen. In diesem Fall das Terminal des JFK Flughafens in New York. Die Hauptfi-gur Viktor Navorski – grandios gespielt von Tom Hanks – bleibt dort stecken, weil sich sein Herkunftsland während seiner Flugreise durch einen eskalierten Bürgerkrieg praktisch in Luft aufgelöst hat, zumindest rechtlich. Seine nun ungültigen Papiere erlauben dem Flughafenmana-ger nicht, ihn einreisen zu lassen, aber genauso wenig, ihn wieder ausreisen zu lassen.

No Time To Die

Irgendwie werde ich mit dem Film nicht warm. Die Action wirkt oft austauschbar, selbst wenn die Setgestaltung und die Orte wunderbar aussehen. Wenn ich den Film in einem Satz beschreiben müsste, dann wäre es wohl dieser: "No Time to Die" testet Grenzen aus. Er testet die Grenzen dessen aus, was Bond ist oder eben nicht ist. Über das Ergebnis dieser Strapazierung des Gewohnten wird natürlich gestritten werden. Für mich war es die Erkenntnis, dass „No Time to Die“ oft nicht Bond ist.