Der Inbegriff einer kompletten Drehbuchverfilmung. Dieser Film ist psychologisch, gefüllt mit einer Zeit-, Zustands- und inceptionesken Traumreise, die ein unverhofftes und nach kurzem Zögern sehr rundes Ende findet. Es geht um Adam, dessen Eltern bei einem Autounfall als er zwölf war, ums Leben kamen. Nach einer Jugend, in der er seine Homosexualität entdeckte, ist er mittlerweile in seinen 30ern angekommen und Schriftsteller für Filme und wenns sein muss auch Serien. Bei „All of us Strangers“ verschwimmt die Distanz von Drehbuch und Drehbuch, von Film und Verfilmung. Ich habe nicht einen Film erlebt, der eine Realität vorgaukelt, sondern einen Film, der selbst der Film im Kopf eines Menschen ist, den wir so nie zu Gesicht bekommen. Damit wagt Andrew Haigh etwas, was ich in diesem Ausmaß noch nicht gesehen habe. (Die Filme „Identity“ oder „Shutter Island“ kommen mir als erstes als nächster Vergleich in den Sinn, aber sie gehören einem anderen Genre an.) Auch wenn der Film wunderschöne Szenen von körperlicher und menschlicher Nähe einfängt, will er keine queere Liebesgeschichte sein. (Was das Plakat, auf dem Paul Mescal und Andrew Scott zu sehen sind, andeuten könnte.) Es ist eine Liebesgeschichte an eine traumatisierte Psyche, die ihren Weg sucht heraus aus der Stille und dem Allein-hinter-Glas-Sein, die einen Weg sucht, ihre Vergangenheit anzunehmen und die ihren Weg findet zurück unter den Sternenhimmel, als ein Mensch unter vielen und als jemand, der für sich und andere da sein kann. Fesselndes Schauspiel, sinnlich-nahe ruhige Kameraeinstellungen, ein spannungsvoller Soundtrack und eine stimmige Filmsongauswahl runden diese tiefe und bewegende Roman-Erfahrung ab.
STUDIO u.a. SEARCHLIGHT PICTURES DREHBUCH ANDREW HAIGH REGIE ANDREW HAIGH JAHR 2023
Neueste Filmkritiken
All of us Strangers
Der Inbegriff einer kompletten Drehbuchverfilmung. Dieser Film ist psychologisch, gefüllt mit einer Zeit-, Zustands- und inceptionesken Traumreise, die ein unverhofftes und nach kurzem Zögern sehr rundes Ende findet. Es geht um Adam, dessen Eltern bei einem Autounfall als er zwölf war, ums Leben kamen.
In den Gängen
Ein Film so ruhig, feinwahrnehmend und präzise wie sein Protagonist Christian (Franz Rogowski). Dieser beginnt eine Probezeit in einer großen Lebensmitteleinkaufshalle als Nachtschicht.
Anatomie eines Falls
Ein mehrdeutiger Fall aus einer mehrstöckigen Holzhütte in den französischen Alpen. Dies ergibt die Obduktion des gefallenen Körpers von Samuel. Zurück bleiben seine Ehefrau Sandra und der gemeinsame seit einem Unfall nahezu blinde Sohn Daniel. Weil der Körper und die Hütte keine eindeutigen Spuren hinterlassen, kommt es zu einem langen und vielschichtigen Prozess im Gericht. Angeklagte ist sie, Ankläger die Staatsanwaltschaft, Verteidiger ein Freund, der Anwalt ist, Suchender ist er, Daniel.
Little fires everywhere
What we want to believe. What we want to see. What we want to become or not to become. It is fear that makes this want desperate and that covers the sky with clouds. A sky that is sunny and cloudy and light and dark altogether. I have rarely seen a better use of characters to support the painting of a greyshaded picture with two moms in the center that couldn’t be more different, one black the other white, one an artist with an only child the other a career-driven mother that manages four children, one a traveler sleeping in the car, the second a settler sleeping in a villa. But both have their secrets and decisions of the past.
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