Bildung. Was ist das eigentlich? Ein Kopf auf den Ellenbogen gestützt vor einem Lehrbuch? Allein im Zimmer kann diese Geste des Körpers und eines Buches Leidenschaft und Seelenruhe bedeuten, in einem Raum mit einer Person an der Spitze kommt mir eher der Gedanke von tiefstem Gehorsam.

Bildung von Menschen. Was ist das eigentlich? Ein junger Mensch mit einem einfachen Haarschnitt in einem Klassenzimmer an einem Internat Ende der 1950er steht auf, tritt nach vorne und spricht zu den anderen Anwesenden. Spricht, wovon er gesehen hat, mit eigenen Augen; zeigt, was er empfunden hat, mit eigener Haut; berichtet, was er gehört hat, mit eigenen Ohren; trägt vor, was er gedacht hat, mit eigenen Gedanken; tritt ein, für das, was er als richtig empfindet, mit eigenen Urteil. Möglich gemacht durch den bedingungslosen Glauben einer anderen Person. Dem neuen Lehrer in diesem Zimmer von Edel und Holz. Und nun, weil die deutsche Sprache den Menschen, männlich bezeichnet – der Mensch – und das für das innere Vorstellungsbild ja doch einen Unterschied macht, nochmals:

Menschenbildung. Was ist das eigentlich? Es ist der Erfahrungsprozess, bei dem ein Mensch den Satz lernt, „ich bin mit meiner Leiblichkeit und Geschichtlichkeit und Eigentümlichkeit in dieser Welt richtig“ und sich zutraut, mit den eigenen Sinnen und! Verstand, mit dem eigenem Verstand und! eigenen Sinnen ein eigenes Urteil zu treffen. Sich zutraut, einzutreten, für das, was er will und für gut, richtig und schön empfindet.

Man mag ein Buch über Poesie schreiben, das erklärt, was Poesie ist und wie wir sie analysieren, verstehen und lernen können, oder man reißt diese Seiten raus und schreit: Jeder Mensch ist ein Poet.

Die Welt, die wir leben, ist nicht zu entziffern, sondern zu dichten. Ich lebe mein eigenes Gedicht. Lebe es, wenn ich es der Welt zeige und mit ihr schreibe. Und wenn ich sterbe, reihe ich mich ein ein den Club der toten Dichter.

STUDIO u.a. TOUCHSTONE PICTURES DREHBUCH TOM SCHULMAN REGIE PETER WEIR JAHR 1989

Neueste Filmkritiken

Anatomie eines Falls

Ein mehrdeutiger Fall aus einer mehrstöckigen Holzhütte in den französischen Alpen. Dies ergibt die Obduktion des gefallenen Körpers von Samuel. Zurück bleiben seine Ehefrau Sandra und der gemeinsame seit einem Unfall nahezu blinde Sohn Daniel. Weil der Körper und die Hütte keine eindeutigen Spuren hinterlassen, kommt es zu einem langen und vielschichtigen Prozess im Gericht. Angeklagte ist sie, Ankläger die Staatsanwaltschaft, Verteidiger ein Freund, der Anwalt ist, Suchender ist er, Daniel.

Little fires everywhere

What we want to believe. What we want to see. What we want to become or not to become. It is fear that makes this want desperate and that covers the sky with clouds. A sky that is sunny and cloudy and light and dark altogether. I have rarely seen a better use of characters to support the painting of a greyshaded picture with two moms in the center that couldn’t be more different, one black the other white, one an artist with an only child the other a career-driven mother that manages four children, one a traveler sleeping in the car, the second a settler sleeping in a villa. But both have their secrets and decisions of the past.

Aftersun

„Aftersun“, das Debut der schottischen Filmschaffenden Charlotte Wells, strotzt nur so vor Kreativität, Mut und Feinfühligkeit.

The Menu

Wie sein ein Monat früher geborener Zwilling „Triangle of Sadness“ reflektiert „The Menu“ auf bissige Art und Weise Machthierarchien bis sich mir beinahe der Magen umdreht. Diese Bewegung der Umkehrung ist bei beiden Filmen der Kern und doch offensichtlich nicht die Botschaft.