Der Film „Titane“ geht unter die Haut. Wer emotional und bildgewaltig auf festen Füßen steht, kann mit diesem Film auf eine gefühlvolle Reise gehen, die in dieser Form einzigartig ist. „Titane“ veranschaulicht den seelischen Kampf eines Menschen, die sich selbst und ihre eigene Leiblichkeit – allen voran ausgedrückt durch die eigene Sexualität – nicht annehmen kann, und das in einer bedrückenden Konsequenz. Die Bilder sind schonungslos. Die Kamera hält drauf, wo andere am liebsten wegschauen würden. Wir erleben entblößende Nacktheit und verletzbare Körperlichkeit, in intimen Momenten und in Momenten des brutalsten Todeskampfes. Wie die Protagonistin Alexia, die ihrem eigenen Wesen nicht entfliehen kann, wird auch die Zuschauerin nicht aus der Unbequemheit dieser Bilder entlassen. Leben oder Tod. Die erste Hälfte des Filmes übermittelt die innere Zerrissenheit, tiefe Angst und die daraus resultierende Gleichgültigkeit von Alexia sich selbst und anderen gegenüber. Die Metapher, die der Film wählt, um ihr Anderssein einzufangen, ist auf den ersten Blick skurril und auf den zweiten zutiefst treffend. Die eigene Sexualität mag aus dem Blickwinkel anderer unvorstellbar fremd wirken. Und sie wird aus dem eigenen Blickwinkel ebenso fremd wirken, wenn man selbst annimmt, es gäbe diesbezüglich eine Norm, die auch für einen selbst gelten müsste. Das Verhältnis von Gesellschaft und Individuum wird dann zur Zerreißprobe. Genauso wie das Verhältnis des Menschen zu sich selbst. In der Verbildlichung dieser Zerrissenheit glänzt „Titane“ vielleicht am meisten.
Der Film ist in sich stimmig und konsequent. Mit durchweg tollem Schauspiel, farblich intensiven Bildern und einer delikaten Song-Auswahl. Er steht damit technisch und ästhetisch dem Film „Call Me by Your Name“ in nichts nach, der dasselbe Thema auf seine Art und Weise meisterhaft behandelt. Zutiefst berührend enden beide Filme mit der bedingungslosen Annahme der Protagonisten in ihrem In-der-Welt-Sein durch eine väterliche Figur. Das Ende des Films gehört zu dem Schönsten und Kraftvollsten, was in der Filmgeschichte gezeigt werden kann.
STUDIO u.a. ARTE FRANCE CINEMA DREHBUCH JULIA DUCOURNAU REGIE JULIA DUCOURNAU JAHR 2021
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Anatomie eines Falls
Ein mehrdeutiger Fall aus einer mehrstöckigen Holzhütte in den französischen Alpen. Dies ergibt die Obduktion des gefallenen Körpers von Samuel. Zurück bleiben seine Ehefrau Sandra und der gemeinsame seit einem Unfall nahezu blinde Sohn Daniel. Weil der Körper und die Hütte keine eindeutigen Spuren hinterlassen, kommt es zu einem langen und vielschichtigen Prozess im Gericht. Angeklagte ist sie, Ankläger die Staatsanwaltschaft, Verteidiger ein Freund, der Anwalt ist, Suchender ist er, Daniel.
Little fires everywhere
What we want to believe. What we want to see. What we want to become or not to become. It is fear that makes this want desperate and that covers the sky with clouds. A sky that is sunny and cloudy and light and dark altogether. I have rarely seen a better use of characters to support the painting of a greyshaded picture with two moms in the center that couldn’t be more different, one black the other white, one an artist with an only child the other a career-driven mother that manages four children, one a traveler sleeping in the car, the second a settler sleeping in a villa. But both have their secrets and decisions of the past.
Aftersun
„Aftersun“, das Debut der schottischen Filmschaffenden Charlotte Wells, strotzt nur so vor Kreativität, Mut und Feinfühligkeit.
The Menu
Wie sein ein Monat früher geborener Zwilling „Triangle of Sadness“ reflektiert „The Menu“ auf bissige Art und Weise Machthierarchien bis sich mir beinahe der Magen umdreht. Diese Bewegung der Umkehrung ist bei beiden Filmen der Kern und doch offensichtlich nicht die Botschaft.
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